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Der himmlische Jesus
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.Blauer Himmel über Bremen. Die Sonne lacht. Sie küsst den Roland auf die Nasenspitze.
Dann rückt sie das Rathaus ins rechte Licht und wärmt den Dom. Ihre Strahlen wandern durch die Gassen des Schnoor-Viertels und leuchten dort die letzten Winkel aus. Die Weser ist ein breiter, glitzernder Strom. Ein paradiesischer Tag in Norddeutschland.
So heiter wünsche ich mir in dieser Woche die Stimmung in der Hansestadt. Der Kirchentag ist zu Gast in Bremen. Zum ersten Mal treffen sich die deutschen Protestanten in der weltoffenen Stadt links und rechts der Weser. Etwa 100.000 Menschen jeglichen Alters werden erwartet. Bei weitem nicht nur evangelische Christen, sondern auch Mitglieder der katholischen Kirche. Juden werden da sein und Muslime. Sie vertreten ihren Glauben. Sie bringen ihn ins Gespräch und in die Öffentlichkeit.
Ein Kirchentag braucht einen Hingucker. In Köln am Rhein zog vor zwei Jahren ein orange leuchtender Fisch die Blicke auf sich. Eigentlich ein alter Bekannter. Der Fisch ist seit langer, langer Zeit das Erkennungszeichen der Christen. Der Kölner Fisch aber hatte Pfiff. Mit einer Haifischflosse auf dem Rücken, wirkte er lebendig und kräftig und schärfer als manche Artgenossen. Er sollte den braven Christen zu einem schneidigeren Image verhelfen, und das tat er auch.
In Bremen wirbt ein Luftschiff für den Kirchentag. Strahlend weiß zieht es seine Bahnen an einem wolkenlosen Himmel. Auf der hellen Plane steht in schwarzen Großbuchstaben geschrieben: Mensch, wo bist du? Heute, am Himmelfahrtstag könnte man die Aufschrift gut auswechseln: Jesus, wo bist du?
Die biblischen Geschichten beantworten die Frage scheinbar räumlich. Sie erzählen: Jesus wurde von Gott auferweckt. Gott schenkte ihm ein neues Leben, ganz anders als das, das er gelebt hatte. In den vierzig Tagen nach Ostern erschien Jesus den Menschen, die mit ihm verbunden waren. Maria von Magdala sah ihn in der Nähe des Grabs. Einige Jünger erlebten ihn zum Greifen nah in einem Haus in Jerusalem. Anderen begegnete er auf dem Weg nach Emmaus und wärmte ihr Herz. Auch am Ufer des Sees Genezareth war es den Jüngern, als sei es wie früher und Jesus mitten unter ihnen. In all den Menschen, die mit ihm verbunden waren, sollte die Gewissheit wachsen: Jesus lebt. Dann ging Jesus mit den Jüngern auf einen Berg. Er wurde in den Himmel aufgehoben und verschwand vor ihren Augen.
Jesus ist im Himmel. Die Angabe zum Aufenthaltsort sagt in Wahrheit etwas über die Beziehung zwischen Jesus und Gott. Gott ist den Menschen in Jesus begegnet, und er wird ihnen weiter begegnen als der, der sich in Jesus zu erkennen gegeben hat. Christen nehmen sich daher die Freiheit, zu Jesus beten und nicht nur zu Gott. Sätze wurden möglich, die seit Jahrhunderten die Glaubenden trösten. Jesus sagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Oder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird ers euch geben.
Der evangelische Kirchentag ist bekannt für seine Welt-Offenheit. Er ist so weltoffen wie die Stadt, in der er gerade abgehalten wird. Zum Kirchentag gehört der Dialog zwischen den Religionen. Christen und Juden legen die Heiligen Schriften aus. Muslime und Christen reden miteinander. Juden, Christen und Muslime verständigen sich als Kinder Abrahams. In diesem Jahr fällt der Kirchentag mit Christi Himmelfahrt zusammen. Dieses Fest schärft das Profil des christlichen Glaubens gegenüber den verwandten Religionen. Es zeigt, dass sich die Sicht der Christen auf Jesus unterscheidet von der Sicht der beiden anderen Religionen. Sie erkennen in Jesus den Propheten, nicht den, der Gott gleich ist.
Ist da dennoch ein Dialog möglich? Ich bin sicher. Ja! Jemand hat formuliert: Einen Dialog führen, heißt: Die eigene Position kennen und vertreten und der anderen achtsam begegnen.
Der himmlische Jesus
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