Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.05.09, Claudia Maier

Mensch, wo bist Du?

Gestern habe mich unter den größten Baum im Paradies gelegt. Ich wusste, dass wir nicht davon essen dürfen, aber drunterlegen schadet ja nicht.

Und er ist wirklich so viel schöner als die anderen Bäume: seine Blätter sind so groß und saftig grün und  die Äpfel riechen besonders süß. Aber ich wollte wirklich nur eine Pause machen.

Plötzlich habe ich so ein Zischeln gehört und die Schlange hat mir von den Äpfeln vorgeschwärmt. Und so saß ich also unter dem Baum mit den schönsten Früchten und konnte nicht widerstehen. Ich bin aufgestanden, habe mich umgesehen und zugegriffen. Adam hat auch sofort zugelangt! Obwohl der jetzt immer sagt, es wäre allein meine Idee gewesen. Und plötzlich fühlte ich mich frei: Ich kann tun, was ich will!

Und dann ist mir noch was aufgefallen: Ich bin nackt und Adam auch. Schnell haben wir uns ein paar große Blätter umgebunden. Ich fühlte den Apfel wie einen Stein in meinem Bauch: Wir hatten gegen ein Gebot verstoßen. Hätten die Früchte nicht essen dürfen.

Wenig später ist Gott ins Paradies gekommen und wir haben uns versteckt. Er rief: Mensch, wo bist du? Und da ist mir klar geworden: Ich kann mich nicht jetzt nicht mehr verstecken und ich muss es auch nicht! Denn: Ich bin für mein Tun verantwortlich.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Mensch, wo bist Du?


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