Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.05.09, Claudio Gnypek

Die Treueprämie

Überall kann ich Treuepunkte sammeln, in der Kaufhauskette und an der Imbissbude um die Ecke. Sie sehen aus wie kleine Herzchen, heissen „Miles and More“ oder

„Credit - Points“ oder grinsen mich an als „Happy Digits“. Gibt es eigentlich auch „Sad Digits“? Egal! Wenn ich genug „Happy Digits“ gesammelt habe, bekomme ich als Treueprämie eine Bratpfanne oder einen Mp3-Player. Die Anbieter solcher Treueaktionen wollen aber nicht nur mein Portemonnaie mit Plastikkarten füllen, sondern vor allem mich als Kunden gewinnen und behalten.

Ich finde, dass Treue kein Geschäft ist. Treue ist kein Tauschhandel, nach dem Motto „ich gebe dir etwas, dafür bekomme ich was von dir“.

Treue hat mit Vertrauen zu tun. Marco und Tanja sind jetzt schon seit vier Jahren zusammen. Und das, obwohl sie sehr unterschiedlich sind und sich manchmal richtig heftig streiten. Er wohnt in Aachen und sie in Bonn, meistens sehen sie sich nur am Wochenende. Marco hat mir erzählt, dass er Tanja liebt, obwohl sie so anders ist als er. Er bleibt ihr treu, auch wenn sie manchmal tagelang nicht mit ihm redet, weil sie sich wieder wegen irgendetwas gefetzt haben. Die beiden haben einfach ein großes Vertrauen in ihre Beziehung. Und diese Beziehung hält. Sie sind sich treu, auch ohne Payback-Card und ohne Punkte.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Die Treueprämie


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