|
Verleih uns Frieden gnädiglich (eg 421)
Choral, lateinisch / CD2: Da pacem, Domine in diebus nostris quia non est alius, qui pugnet pro nobis nisi tu, Deus noster.
Autorin: Da pacem, Domine. Gib Frieden, Herr. Der Gesang der Mönche klingt durch die Hallen des Klosters. Wieder und wieder ertönt das Singen der Brüder, als wollten sie den Frieden erzwingen. Als könnte ihr Gesang den Krieg in der ganzen Welt vertreiben. Ein für alle mal. Singend gegen den Krieg! Wie hilflos muss das klingen für Menschen, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben:
O-Ton: Krieg ist das Schlimmste, was es überhaupt gibt. Krieg ist Vernichtung aller Werte. Zerstörung allen Lebens überhaupt. Mit einer ganz ungewissen Zukunft. Sterben und töten. Wie die sich gegenseitig umgebracht haben, nur um der Macht willen. Wenn ich nicht schieße, schießt der andere.
Musik: Verleih uns Frieden gnädiglich / Schalmei instrumental
Autorin: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unseren Zeiten. Als Martin Luther 1529 den lateinischen Friedensruf Da pacem, Domine ins Deutsche übersetzt, steht Deutschland Krieg bevor. Der türkische Sultan belagert mit einem gewaltigen Heer die Tore Wiens. Ein Sieg der muslimischen Truppen scheint unausweichlich und bedeutet nicht nur den politischen und wirtschaftlichen Untergang des ganzen Abendlandes. Er bedeutet das Ende des Christentums. Luther tut in dieser Not das, was er als Gottesmann tun kann: mehr als allen militärischen Streitkräften vertraut er der Macht des betenden und singenden Wortes:
Choral: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine. (CD1 Track 3 nur erste Strophe)
Sprecher: Gott, gib Frieden deinem Lande, Glück und Heil zu allem Stande. Herr Gott, himmlischer Vater, der du heiligen Mut, guten Rat und rechte Werke schaffest, gib deinen Dienern Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, auf daß unsere Herzen an deinen Geboten hangen und wir unsre Zeit unter deinem Schutz still und sicher vor Feinden leben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen (in: Johannes Kulp, Die Lieder unserer Kirche, Göttingen 1958, Handbuch zum EKG, Sonderband, S. 228)
O-Ton: Der Krieg ist etwas Furchtbares, was man hofft, das es nie wieder kommt. Ich war in Hannover als Schwesternschülerin. Und das war natürlich ganz hart, denn die Angriffe auf Hannover waren tagtäglich. Wir hatten den ganzen Keller voller Frauen, meist sind es Frauen und Kinder gewesen. Da hat einer Angst gehabt, weil das immer von oben knallte. Man hat immer nur gewartet auf die Bomben.
Choral: Melodie CD1 Track 1 (A. Hammerschmidt)
Autorin: Krieg auf deutschem Boden. Noch nicht der Zweite Weltkrieg. Der 30jährige Krieg herrscht in Deutschland und in ganz Europa. 30 lange Jahre regieren Gewalt, Mord und Elend. Seuchen und Hungersnöte haben verheerende Folgen. Ganze Landstriche werden entvölkert. Menschen werden geboren und sterben in dieser Zeit, ohne auch nur einen Tag des Friedens gesehen zu haben. Frieden. Welch liebliches Wort. Welch wunderbarer Traum. Frieden. So fern und unerreichbar.
Choral: Herr Gott, Herr Gott, Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine. (CD1 Track 1 / (A. Hammerschmidt)
Autorin: Im Jahre 1646, zwei Jahre vor Ende dieses unerbittlichen 30jährigen Krieges, komponiert Andreas Hammerschmidt eine neue Melodie zu Luthers Friedensworten. Herrgott, verleih uns Frieden gnädiglich. Wieder und wieder erklingt der verzweifelte Ruf, Gott als Mitstreiter zu gewinnen. Denn wer könnte sonst helfen? Wer könnte das Kriegsleid beenden? Herrgott, wer, wenn nicht Du alleine?
Choral:
denn Du unser Herr Gott alleine CD1 Track 1 / (A. Hammerschmidt)
Autorin: Ob der 30jährige Krieg, der Erste oder Zweite Weltkrieg. Ob Angreifer oder Verteidiger. Sieger oder Verlierer. Die Kriegserlebnisse brennen sich in die Seele. Wer dem Krieg ins Gesicht sah. Ihn am eigenen Leib erfahren hat, weiß: man wird ihn nie mehr los. Selbst in Friedenszeiten ist der Krieg ein ständiger Begleiter:
O-Ton: Ich habe heute noch Alpträume von den Angriffen, die dann am Kriegsende kamen. Wo man dann in den Keller musste. Dass ich eingesperrt bin. Ich sehe, ich bin mit vielen Menschen zusammen, und auf einmal sind alle Türen zu, alle Fenster zu. Ich bin da eingemauert und komme da nicht mehr raus. Und wache davon auf.
Musik: CD1 Track 2 (F. Mendelsohn Bartholdy)
Autorin: Engelsgleich erklingt eine Melodie. Lieblich und zart, wie man sie nur in Friedenszeiten anstimmen kann. Felix Mendelssohn Bartholdy komponiert 1831 seine Melodie zu Luthers Friedensruf, die den Frieden schon vorweg nimmt. Er scheint zum Greifen nah. So singt man nur mit Frieden im Herzen. Die Fäuste geöffnet zum Segen. So muss es sein, wenn endlich himmlischer Frieden herrscht. Mitten auf Erden.
Musik: CD1 Track 2 (F. Mendelssohn Bartholdy)
Autorin: Die Sehnsucht nach Frieden war und ist unermesslich. Sie zieht sich nicht nur durch die deutsche Geschichte, sondern durch die Geschichte der Menschheit. Bis zum heutigen Tag. Kein Jahrhundert, kein Jahrzehnt, kein Tag ohne Gewalt und Krieg. Kein Tag ohne Angst und Schrecken. Kein Tag ohne Sehnsucht. Frieden hat die Welt nie gesehen. Frieden ist, was ihr fehlt. Wer Krieg selbst erlebte, trägt diese Sehnsucht im Herzen:
O-Ton: Frieden ist für mich leben dürfen, Zukunft haben. Völkerverständigung vor allen Dingen. Anderen zu helfen. Und dafür zu sorgen, dass nicht wieder so ein Inferno passiert.
Musik: Verleih uns Frieden gnädiglich / Schalmei instrumental (CD1 Track 6)
Sprecher: Und Gott wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Jesaja 2,4)
Musik:
Amen (Track 3)
Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrerin Susanne Schart aus Unna über den Choral Verleih uns Frieden gnädiglich - Evangelisches Gesangbuch Nummer 421. Es sang unter anderem der Knabenchor Hannover unter der Leitung von Jörg Breiding.
Verleih uns Frieden gnädiglich (eg 421)
|