Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.05.09, Pfarrerin Birgit Winterhoff

Muttertag

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer,Morgen ist Muttertag. Zyniker behaupten, dieser Tag sei eine Erfindung des Blumenhandels.

Wer das meint, übersieht die Freude, die dieses Fest vielen Frauen bescheren kann. In der Schule und im Kindergarten werden liebevoll kleine Geschenke gebastelt. Kinder und Väter machen sich Gedanken darüber, wie sie diesen Tag besonders schön gestalten können. In manchen Familien ist es Tradition, dass am Muttertag die Mutter ausschlafen darf. Dann bekommt sie vielleicht ein tolles Frühstück ans Bett serviert. Und ums Mittagessen muss sie sich an diesem Tag auch nicht kümmern.

An so einem Tag können alle Spaß haben. Aber es passiert noch mehr: Kinder und Väter erleben – vielleicht wirklich nur einmal im Jahr – was alles nicht passiert, wenn sich Mama mal um nichts kümmert. Für viele Frauen bedeutet diese Form der Wertschätzung sicher mehr als ein arbeitsfreier Tag. Sie merken: die Familie denkt bei diesem Anlass auch darüber nach, was sie Tag für Tag leisten, ohne dass es besonders erwähnt wird. Denn in den allermeisten Familien sind es ja die Frauen, die für Kinder und Haushalt und Beruf zuständig sind.

Und die älteren Frauen? Die, deren Kinder längst erwachsen sind und ihr eigenes Leben führen? Manchmal trifft man sich an diesem Tag zum Familienausflug. Oder schickt Blumen. Oder ruft an. Manch erwachsener Sohn, manche erwachsene Tochter tun dies womöglich mit  schlechtem Gewissen, weil sie sich in der  letzten Zeit nicht so um die alte Mutter kümmern konnten.

Es gibt ein Wort aus der Bibel, das gerade auch am Muttertag zum Nachdenken anregt. In der Bergpredigt sagt Jesus:

„Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt – das ist alles, was Gott von euch fordert.“

Ohne dass wir es böse meinen verstoßen wir manches Mal gegen diese goldene Regel. Zum Glück nehmen viele Mütter das nicht übel. Aber es ist wohltuend für sie, wenn sie nicht nur am Muttertag gesagt und gezeigt bekommen: „Wir wissen, was wir an dir haben.“  Denn auch ihr Väter und Kinder wollt gut behandelt werden. Auch ihr wollt doch respektiert werden, in allem was ihr tut. Eure Arbeit möchtet ihr anerkannt wissen, euren Fleiß, eure Zuverlässigkeit.

Und wenn der Muttertag nur dazu da ist, um euch daran zu erinnern, dann hat er schon viel bewirkt. Also in Abwandlung des Bibelverses: Behandelt eure Mütter und Frauen so, wie ihr selbst behandelt werden möchtet. Das ist alles, was Gott von euch fordert.

Audiobeitrag Muttertag


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