Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.05.09, Pfarrerin Birgit Winterhoff

Unmöglich-möglich

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer! Unmöglich. Geht nicht. Brauche ich gar nicht erst zu versuchen. Verschwendete Energie.

Wir kennen diese Worte aus unterschiedlichen Zusammenhängen. Wissen, wann wir sie sagen oder zumindest so denken. Die Worte haben einen negativen Klang. Enthalten Negativbotschaften. Da sagt eine über eine andere: Die ist völlig unmöglich! Wie die schon aussieht! Oder: Unmöglich, dass der sich noch einmal ändert mit seinem Dickschädel! Das Urteil ist gefällt und zwar endgültig. Keine Chance zur Veränderung!

Unmöglich! Das hat auch der junge Mann gedacht, der eines Tages zu Jesus kommt. Er hat sein Leben lang nach Gottes Geboten gelebt. Gratulation. Das ist nicht schlecht.

Der junge Mann ist reich. Trotzdem spürt er: Es fehlt mir etwas. So kommt er zu Jesus und fragt: „Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“

Einer, der im Vergänglichen alles Erstrebenswerte erreicht hat an Macht und Besitz, fragt nach dem Unvergänglichen, nach dem ewigen Leben. Nach dem, was über alle unsere Leistungen hinausgeht. Und Jesus? Er schärft die Verantwortung ein, die Reichtum und Besitz vor den Menschen, aber eben auch vor Gott mit sich bringen. „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, vom dem wird man umso mehr fordern.“ Daran hält er sich mit seiner Aufforderung, der Mann solle alles um der Armen willen drangeben und sein Leben mit Jesus verbringen: „Komm und folge mir nach!“

Der Mann wendet sich ab. Traurig zieht er davon. Er spürt: Er kann nicht loslassen. Will nicht abgeben. Jesus nachfolgen? Der Schritt wäre zu groß. Der Schnitt zu schmerzhaft. Zum Glück endet die Geschichte hier nicht. „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“, sagt Jesus. Ein Gegenwort gegen die Resignation.

Gegen all diese negativen Sätze vom Anfang. Und damit beginnt die hoffnungsvolle Seite der Geschichte. Jesus entlässt ihn nicht in die Trostlosigkeit. Versagt ihm nicht den letzten Hoffnungsschimmer. Er verheißt ihm den Reichtum der unermesslichen Möglichkeiten Gottes: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!“

Darum heißt der Wahlspruch der Christen: „Keiner darf verloren gehen!“ Der Glaube und das Vertrauen zu Jesus Christus können uns diese neue Perspektive zeigen. Gott steht auf der Seite aller, denen der Blick auf die Zukunft versperrt ist.

Auf der Seite der Mühseligen und Beladenen, die nicht wissen, wie sie allein weiterkommen. Auch auf der Seite der Wohlhabenden und Starken, die den andern zur Seite stehen können, wenn sie nur beginnen, sich an die Zusagen Gottes zu halten und nicht allein auf die eigene Kraft zu vertrauen. Nicht ein falsches Vertrauen auf die eigenen Möglichkeiten soll uns  prägen, sondern das Vertrauen auf Gottes Möglichkeiten. Dann kann man folgende  Erfahrung machen: unmöglich Gedachtes wird durch Gottes Möglichkeiten möglich.

Ein Reicher wird bereit zum Verzicht. Zerstrittene Nachbarn versöhnen sich. Ein Kranker lernt seine Krankheit anzunehmen und nicht nur um sich und seine Probleme zu kreisen. Unmöglich? Nein: Möglich. Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!“ Das Wort lockt uns und fordert uns heraus, unsere Verantwortung zu übernehmen. Mit all unseren Möglichkeiten. Engagiert. Mit Leidenschaft und Kompetenz. Mit Liebe. Und gleichzeitig mit Gottes unermesslicher Kraft zu rechnen.

Audiobeitrag Unmöglich-möglich


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