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Vergeben ist vergeben
Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer, Menschen mit zwielichtiger Vergangenheit werden Zukunft und Hoffnung geschenkt.
Das ist die Pointe vieler biblischer Geschichten. Lebenswenden, wo niemand sie vermutet, wo Hopfen und Malz verloren ist. Jedenfalls nach landläufiger Meinung.
Da hat der ehrbare Bürger Simon Jesus von Nazareth zu einem Gedankenaustausch in sein Haus gebeten. Mit anschließendem Abendessen. Alles höchst stilvoll. Und dann ein unerwarteter, unerhörter, fast peinlich zu nennender Zwischenfall. Irgendwie hat sich eine Frau Zutritt zu der illusteren Runde verschafft. Niemand hat sie eingeladen. Niemand wäre überhaupt auf die Idee gekommen, sie einzuladen. Selbstverständlich auch Simon nicht. Er kannte schließlich auch ihren Lebenswandel. Und machte einen Bogen um sie. Nun aber ist sie da.
Kaum ist sie in Jesu Nähe, da laufen ihr Tränen über das Gesicht. Sie merkt gar nicht, wie peinlich das Ganze ist mit dem schweren Duft des teuren Öls. Mit ihren Tränen wäscht sie Jesu Füße, mit den Haaren trocknet sie sie. Und dann salbt sie sie. Jesus lässt die Frau gewähren. Er unterbricht ihr Weinen nicht. Er hält den Ausbruch ihrer Gefühle aus. Und dieser Gefühlsausbruch ist so etwas wie ein Gebet ohne Worte.
Man weint heute nicht in der Öffentlichkeit. Man bewahrt Haltung. Dabei können Tränen uns erleichtern, wenn sie denn fließen und all das mit herausschwemmen, was sonst so fest- und verborgen gehalten wird. Aber Tränen machen auch hilflos. Wenn jemand vor uns weint, ist es schwer auszuhalten. Wenn jemand so schutzlos sein Innerstes preisgibt, möchte man etwas Tröstliches sagen. Beruhigend soll es sein und doch eigentlich diese Situation beenden. Schnell werden heute Tränen blockiert. Dabei müssen sie geweint werden, sonst werden wir steinern.
Ja, es sind wohl auch nicht nur Tränen, die fließen, weil die Frau so bedrückt ist. Es mischen sich Freudentränen hinein. Da ist einer, der sie nicht schief ansieht oder seine Absichten mit ihr hat. In seiner Nähe fügt sich zusammen, was in ihrem Leben zerbrochen war und sie kaputt gemacht hatte. Die Frau wendet sich Jesus zu, schenkt ihm ihre Liebe, das neu geschenkte Leben. Noch hat er nichts gesagt, und doch hat sie schon Vergebung erfahren: das Leben öffnet sich ihr. Gott öffnet es.
Und Simon? Ihm ist das Ganze peinlich. Eine Frau hier - und dann noch so eine. Und erst ihr Benehmen. Wie kann er sie am besten loswerden? Er ärgert sich, dass Jesus sich die Freundlichkeiten dieser Frau auch noch gefallen lässt.
Aber er sieht nur auf die Vergangenheit dieser Frau. Er traut Gott und dieser Frau nicht zu, dass es Wandlungen gibt. Dass das Leben nicht nur in den eingefahrenen Gleisen weiterläuft.
Simon vergisst, dass er selbst einer ist, der ganz und gar verloren wäre ohne das heilende Erbarmen Gottes. Auch ihm muss vergeben werden. Hart und kalt geht es unter uns zu, wenn wir uns gut fühlen, weil wir uns vergleichen mit Leuten, deren Fehler offenkundiger sind als unsere.
Dir sind deine Sünden vergeben, sagt Jesus. Ein Satz, der die Gegenwart hell macht. Es ist gut, denn Gott ist dir gut. Er schreibt dich nicht ab. Du bist nicht nur festgelegt durch das, was gewesen ist. Gott, der reich ist an Erbarmen, wird dich begleiten.
Vergeben ist vergeben
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