Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.05.09, Pastorin Beate Raguse

Playmobil: Menschen mit Möglichkeiten

Seit 200.000 Jahren gibt es Menschen auf der Welt, Anfang 2009 waren es rund 6,75 Milliarden. Im Vergleich: die ersten Playmobil-Männchen erblickten vor gerade mal 35 Jahren

das Licht der Welt. Seither haben sie sich -von Erwachsenen mindestens so sehr geliebt wie von Kindern – auf unglaubliche 2,2 Milliarden vermehrt. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Unerschöpflich erweitern sie ihr Reich, bauen Straßen und Häuser, pflanzen Kohl und Blumen, gründen Familien, ergreifen Berufe, fliegen ins All.

Und das alles auf einfache Weise. Zunächst sind da die immer gleichen Figürchen, Mann und Frau, gleich groß, schlank, Zementfrisur, die Frau mit Busen, beide immer lächelnd. Die Kinder ähnlich, nur eben kleiner. Individuell werden sie erst durch Accessoires, durch Helm und Anzug zum Feuerwehrmann, mit Bart und gemusterter Tunika zum König, mit Sonnenbrille und Polohemd zum Urlauber. Oder zum Kirchgänger, denn: Gläubig sind die Playmobiler auch. Sie haben eine Kirche mit bunten Fenstern und Orgel. Sie kennen die Arche Noah, Maria, Josef und auch das Jesus-Kind.

Dass die Evolution noch nicht abgeschlossen ist und ihre Hände nur aus zwei Handrücken bestehen, behindert sie nicht in ihrem Aktivismus. Tatkräftig bauen sie an ihrem Paralleluniversum. „Yes we can“, atmet es aus  jeder Pore ihrer Kunststoffhaut. Kurz: sie sind Männchen mit Möglichkeiten. Und die ergreifen sie. Gestern als Ritter, heute friedlich im Wohnmobil unterwegs. Nachmittags noch im Garten als  Öko  kann die Frau schon eine Stunde später im langen Kleid in die Oper rauschen. Bedenken wie  „Steht mir das?“ oder gar „Mache ich mich lächerlich?“ gibt es im Playmobil-Land nicht. Sie wären auch unnötig. Denn die Playmobiler können sich auf Eines verlassen:  ihre Kollegen nehmen sie so an, wie sie sind. Sie begegnen ihnen stets wohlwollend.

Eine Geschichte besagt; der Erfinder der Figuren hätte sie sich nach der Herstellung angesehen und bei sich gesagt: „Guck mal an, sie sind ‚sehr gut’.“ So wie damals Gott als die Menschen schuf. Die Playmobiler glauben daran, sie lieben sich, so wie sie sind. Dem Bodybuilder ist es egal, dass ihm trotz ständigen Trainings keine Muskelpakete gewachsen sind. Er hebt weiter seine Hanteln. Und dass die Bodenakrobaten mit ihren gedrungenen Körpern nicht unbedingt grazil aussehen, stört weder sie noch das begeisterte Publikum.

In der Playmobil-Welt braucht man keine Schönheitschirurgen, auch die Suche nach dem Superstar oder dem Top-Modell kennen sie nicht. Doch ich bin sicher, selbst solche Wettbewerbe würden  die Playmobiler unbeschadet überstehen. Sie würden einen Sieger auswählen, ihm zujubeln und gratulieren, würden den anderen feiern, sich selbst und überhaupt das ganze Leben, bei alldem würden sie mitspielen. Nur ernst nehmen würden sie das Ganze nicht. Genauso lächeln würden sie bei der Frage, ob Playmobiler die besseren Menschen sind? Doch was sind sie? Spielzeugfiguren, die so lebendig wirken, dass  sie sogar eine Botschaft vermitteln. Das Leben hat viele schöne Seiten. Es ist leichter für die, die glauben, dass sie „sehr gut“ geschaffen sind und es bietet unzählige Möglichkeiten. Auch  die, sich immer wieder zu verändern. Zugegeben, bei uns Menschen geht das nicht so einfach wie in der Playmobil-Welt. Aber vielleicht ist es auch nicht so schwer, wie wir manchmal meinen.

Audiobeitrag Playmobil: Menschen mit Möglichkeiten


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