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"Dankt, dankt dem Herrn, jauchzt volle Chöre (eg 630)
BLÄSERSATZ Sprecher: Unter allen Dingen, die geeignet sind, dem Menschen Erholung und Genuss zu verschaffen, ist die Musik das erste,
oder doch eines der wichtigsten, und wir haben sie als eine dazu bestimmte Gottesgabe einzuschätzen. (Calvini Opera (CO) 6.169f zit. nach Eberhard Busch, Eine Spur von Gottes Hand und Fuß, Göttingen 2008, S. 10)
Autor: Johannes Calvin, einer der bedeutendsten Reformatoren der evangelischen Kirche, gesteht hier 1542 seine Liebe zur Musik. Erstaunlich: Wer die Bilder von diesem hageren, so asketisch und streng dreinblickenden Theologen betrachtet, sieht eher den unermüdlichen Workaholic als einen Mann, der etwas von Erholung und gar Genuss verstanden haben will.
(Orgelintonation)
Autor: Doch gerade in diesem Jahr, in dem wir uns an seinen 500. Geburtstag erinnern, entdecken wir viele Seiten an Johannes Calvin wieder neu. Dazu gehört auch seine Liebe zu den Psalmen der Bibel:
Choral:(Strophe 1): 1. Dankt, dankt dem Herrn, jauchzt volle Chöre, / denn er ist freundlich jederzeit; singt laut, dass seine Güte währe / von Ewigkeit zu Ewigkeit. Jauchz, Israel, und bring ihm Ehre! / Er zeigte dir es jederzeit; frohlock, dass seine Gnade währe / von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Sprecherin: 1. Dankt, dankt dem Herrn, jauchzt volle Chöre, / denn er ist freundlich jederzeit; singt laut, dass seine Güte währe / von Ewigkeit zu Ewigkeit. Jauchz, Israel, und bring ihm Ehre! / Er zeigte dir es jederzeit; frohlock, dass seine Gnade währe / von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Autor: Was hat Calvin an den Psalmen so fasziniert? Er hat für sich entdeckt, dass man in den Psalmen ein Spiegelbild der inneren Regungen vor Augen hat. In ihnen wird unser ganzes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen ausgebreitet, dort finden Menschen Worte für ihre Freude und für ihr Glück, aber auch tiefstes Leid und grenzenlose Angst werden ausgesprochen. In den 150 Psalmen der Bibel entdecken wir, wie die Menschen das alles vor Gott ausbreiten und wie in ihnen Hoffnung keimt und sie getröstet werden.
Zu biblischer Zeit wurden die Psalmen musikalisch begleitet und gesungen. Und auch Calvin war zu der festen Überzeugung gelangt, dass die Psalmen beispielhaft und völlig ausreichend für den Gesang der Christen wären. So förderte er ihre Vertonung für den Gottesdienst. Als er 1538 für drei Jahre nach Straßburg kommt, beruft man ihn schon nach wenigen Tagen zum Seelsorger der dortigen Flüchtlingsgemeinde. Es waren seine französischen Landsleute, die wegen ihres evangelischen Glaubens aus Frankreich fliehen mussten. Sie galt es zu stärken und ihnen Mut zuzusprechen. Die Worte der Psalmen sprachen auch in ihre Lage hinein:
Sprecherin: In der Angst rief ich den HERRn an: und der Herr erhörte mich und tröstete mich. Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun? (Psalm 118,5.6)
Autor: So formuliert es der 118. Psalm. Er ist die Vorlage für den Choral, den wir hören. Dieser Psalm ist ein Dankgebet und schlägt den Grundakkord an, den alle Psalmen anstimmen: Sie künden jeweils auf ihre besondere Weise davon, dass wir mit unseren Liedern und Gebeten einem Gott entgegentreten, der uns freundlich zugetan ist. Ein gütiger Gott, der aber zugleich ein streitbarer Gott ist, wenn er für die Menschen eintritt, die Hilfe nötig haben.
Choral (Strophe 2): 2. In jeder Angst, Not und Gedränge / rief ich ihn, den Erbarmer, an; er gibt mir Antwort in der Enge / und führt mich auf geraumer Bahn. Der Herr ist für mich, Macht und Gnade / lässt mich in ihrem Schutze ruhn. Wer unternimmt's, dass er mir schade? / Was kann ein schwacher Mensch mir tun?
Autor: Eine grenzenlose, triumphierende Zuversicht spricht aus diesem Lied. Es ist ein Psalm auch für die Osterzeit, heißt es doch in ihm:
Sprecherin: Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil (
) Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. (Psalm 118,14.17)
Choral (Strophe 3) 4. Die Rechte Gottes ist erhöhet, / die Rechte unsers Gottes siegt; der Fromme, der nun sicher stehet, / frohlocket, dass der Feind erliegt. Ich sterbe nicht, ich werde leben / durch den, der mich erlöset hat; ich will die Werke froh erheben, / die der Erbarmer für mich tat.
Sprecherin: 4. Die Rechte Gottes ist erhöhet, / die Rechte unsers Gottes siegt; der Fromme, der nun sicher stehet, / frohlocket, dass der Feind erliegt. Ich sterbe nicht, ich werde leben / durch den, der mich erlöset hat; ich will die Werke froh erheben, / die der Erbarmer für mich tat.
Autor: Das Erstaunliche ist, dass diese frohlockende Gewissheit sich nicht über andere erhebt schon gar nicht über Israel. Mit Israel zusammen sollen wir Gott loben. Erst das gemeinsame Lob von Juden und Christen gibt Gott die Ehre, die ihm gebührt. Das war Calvins feste Überzeugung.
Das ist von jeher ein Kennzeichen für die reformierten Christen gewesen: sie sind überzeugt, dass die erste Liebe Gottes, die seinem Volk Israel gilt, nie aufgehört hat. Calvin sagte es so:
Sprecher: Mit den Juden sind wir zum selben gemeinsamen Gesang vereinigt, damit Gott auch unter uns mit unablässigem Lobopfer verehrt werde, bis wir im Himmelreich zusammenkommen und mit den auserwählten Engeln das ewige Halleluja anstimmen! (Calvini Opera (CO) 32,442 zit.nach Eberhard Busch, Eine Spur von Gottes Hand und Fuß, Göttingen 2008, S. 9)
Autor: Ich habe schon als Kind den Psalmengesang der Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, so erlebt: Immer voll Glauben, Trost und Zuversicht, oft ganz gewiss ein wenig trotzig, und stets als ein Ausdruck dafür, wie gut es ist, mit anderen als Gemeinde unterwegs zu sein und Gott die Ehre zu geben. Die Psalmen sind ein ewiger Schatz, den es immer neu zu entdecken gilt.
Choral (Strophe 4): 9. Gesegnet sei des Herrn Gemeine, / die hier in seinem Namen kniet. Sie sei geweiht dem Herrn alleine, / der huldreich auf sie niedersieht. Der Herr ist Gott, zu dem wir wallen, / bald macht er uns sich offenbar, ein jeder such ihm zu gefallen / und bring sich selbst zum Opfer dar.
Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Hilchenbach über den Choral Dankt, dankt dem Herrn, jauchzt volle Chöre - Evangelisches Gesangbuch Nummer 630. Es sang unter anderem der Bach-Chor-Siegen unter der Leitung von Ulrich Stötzel.
"Dankt, dankt dem Herrn, jauchzt volle Chöre (eg 630)
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