Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.04.09, Silke John

Schritt für Schritt

Pilgerherbergen sind so eine Sache. Man schläft mit 30 Leute in einem Raum. Um fünf Uhr morgens geht es schon los.

Die Ersten fangen an aufzustehen, ihre Sachen zusammenzusuchen, zu packen, sich anzuziehen. Ich bin dann auch los. Gegen sechs Uhr fing für mich ein weiterer Tag auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela an.

Ich war fast völlig alleine auf weiter Strecke. Morgentau bedeckte die Gräser neben dem Weg, über die Felder zogen leichte Nebelschwaden. Die Morgenluft ist unglaublich. Rein und frisch und man hat das Gefühl: Mit solcher Luft in den Lungen kann man Meilen gehen.  Die Schritte gingen leicht. Der Rucksack trug sich fast von alleine. Ein unglaublich tolles Gefühl.

Jesus hat gesagt: Quält euch nicht mit Gedanken an Morgen. Der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat.

Genau dieser Satz ist mein Aha-Erlebnis auf dem Jakobsweg. Natürlich denken Pilger an Morgen. Schließlich haben wir alle Ziel in Santiago de Compostela anzukommen.

Aber wenn man zu Fuß 800 Kilometer geht. Dann geht das nur Schritt für Schritt. Berg für Berg. Tag für Tag. Man kann nur jeden einzelnen Tag gehen. Pläne sind da schwierig. Jeder Tag hat seine eigene Last. Also quäle dich nicht mit dem Gedanken an Morgen. Morgen ist Morgen. Heute aber muss man losgehen.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Schritt für Schritt


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