Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.04.09, Pfarrer Martin Vogt

Zerissener Glaube

O-Ton: „Ich hatte noch nie ein echtes religiöses Erlebnis. Ich sage das mit einem gewissen Bedauern.“

Autor: Diese Worte stammen von Sting, bekannt geworden als Bassist und Sänger der Band „The Police“. Inzwischen ist seine Autobiographie erschienen. „Broken Music“ heißt sie - zerbrochene Musik. Weil die Songs, die Sting schreibt, oft etwas Zerbrochenes, Zerrissenes an sich haben.

Musik: Intro von „Roxanne“

Autor: Aber in seiner Autobiographie geht es nicht allein um Musik. Auch religiöse Fragen spielen für Sting eine wichtige Rolle. Das beginnt schon in seiner Kindheit, als er eine katholische Grundschule besucht.

O-Ton: „An Sankt Columba begann meine lebenslange Beschäftigung mit der Religion, aber es begannen auch meine lebenslangen Sorgen damit.“

Autor: Insofern hat also nicht nur seine Musik etwas Zerbrochenes, Zerrissenes an sich. Sondern auch sein Glaube. Sting ist hin- und hergerissen zwischen Zweifeln und Vertrauen, zwischen Fragen und Beten.

O-Ton: „Für mich gab es keinen einfachen Glauben, zu dem ich mich hätte flüchten können.“

Autor: Die Kirche ist ihm dabei keine Hilfe. Schon früh sagt er sich von ihr los und stellt  später fest:

Musik: „You can say, I lost my believe in the holy church“

Autor: „Man kann sagen, ich verlor meinen Glauben an die Kirche“, singt Sting. Aber von seinem Glauben an Gott will er sich nicht trennen. Auch wenn ihm manches an der christlichen Theologie fragwürdig erscheint, tauchen in seinem Buch immer wieder Situationen auf, in denen er betet. In der Hoffnung und in dem Vertrauen, dass es hilft. „Mein Herz gehört zwar niemandem“, singt er. „Aber gerade deshalb bete ich jetzt ab und zu.“

Musik: „My heart belongs to no one so now sometimes I pray.“

Autor: So wie Sting geht es vielen Menschen. Nur wenige haben in ihrer Biographie ein besonderes religiöses Erlebnis anzubieten. Eine Bekehrung zum Beispiel. Ich selbst kann damit auch nicht dienen. Deshalb weiß ich nicht, ob einem der Glaube leichter fällt, wenn man auf so ein Erlebnis zurückgreifen kann. Tatsache ist aber, dass der Glaube an Gott für viele Menschen nichts Einfaches ist. Oft genug scheint Gott weit weg zu sein. Und dann wünscht man sich, er würde den Raum zwischen ihm und uns irgendwie füllen.

Musik: „Take the space between us und fill it up some way.“

Autor: Es ist aber auch nicht entscheidend, dass uns der Glaube leicht fällt. Entscheidend ist, dass wir daran festhalten. Und  dass wir nicht aufhören, in wichtigen Situationen unseres Lebens zu beten. Wenn wir dann auch noch das Vertrauen haben, dass unser Gebet etwas bewirken kann, dann ist schon ganz viel gewonnen. Das ist kein einfacher Glaube. Aber einer, der trägt - gerade in entscheidenden Situationen. Ein Glaube, der vielleicht zerrissen wirkt, den aber so schnell nichts zerreißt.

Musik:
1) The Police, „Roxanne“ von der CD „Greatest Hits“ (1992), Track 1, LC 0485.
2) Sting, „If I ever lose my faith in you“ von der CD „Ten summoner’s tales“, Track 1, LC 0485.
3) The Police, „O my God“ von der CD „Synchronicity“ (1983), Track 3, LC 0485.

Hörbuch: Sting, „Broken music“, gelesen von Xavier Naidoo und Ulrich Matthes (2003), CD 1, Track 1 & 2, Nr. 9815968.

Buch: Sting, „Broken music“, Fischer-Verlag, Frankfurt am Main 2005 (Fischer-Taschenbuch 16249).

 

Audiobeitrag Zerissener Glaube


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