Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.04.09, Pfarrer Martin Vogt

Montagmorgen

Montagmorgen. Die neue Woche beginnt. Der Schulalltag geht wieder los. Oder der Arbeitsalltag - je nachdem. Manchmal macht mir das gar nichts aus.

Manchmal freue ich mich sogar auf die neue Woche. Zum Beispiel, wenn irgendwas Schönes anliegt. Wenn ich was vorhabe, was bestimmt klasse wird. Oder wenn einfach das Wochenende gut war. Wenn ich mich ein bisschen erholt habe, zwei schöne Tage hatte, dann kann ich den Schwung mit in die neue Woche nehmen. Dann klappt zumindest der Einstieg gut.

Es kann aber auch vorkommen, dass ich am Montagmorgen aufwache und denke: „O, Gott! Das wird eine ganz furchtbare Woche!“ Dann hab’ ich schon gar keine Lust aufzustehen. Mich auf diese Woche einzulassen. Entweder weil ich mit Leuten zu tun habe, die ich nicht mag. Oder weil in dieser Woche besonders viel Arbeit auf mich wartet. Vielleicht liegt auch im privaten Bereich irgendwas Unangenehmes an. Oder das Wochenende sitzt mir noch in den Knochen: Anstrengender Besuch bei Verwandten, Stress in der Familie oder einfach öde Langeweile.

Wenn der Montagmorgen so losgeht, dann wünsche ich manchmal, ich hätte mehr Kraft. Um das zu schaffen, was vor mir liegt. Oder mehr Schwung, um die Sachen anzupacken, an die ich mich nicht ’rantraue. Vielleicht auch mehr Zuversicht, um nicht in trüben Gedanken zu versinken, bevor überhaupt etwas passiert ist. Wenn ich jetzt schon mal alles hätte, was ich für diese Woche brauche, dann würde bestimmt alles leichter gehen. Und ich würde mir nicht so viele Sorgen machen.

Leider geht das nicht so einfach. Ich muss mit der Kraft, dem Schwung und der Zuversicht auskommen, die ich gerade habe. Selbst wenn ich Gott darum bitte, dass er mir von allem etwas mehr gibt, hilft das in der Regel nicht.

Ich glaube zwar, dass Gott uns Kraft gibt. Schwung und Zuversicht. Aber er gibt uns das, was wir brauchen, nicht schon wer weiß wie lange im Voraus. Sondern erst dann, wenn es tatsächlich nötig ist. Wenn wirklich eine Situation da ist, in der wir merken: Mit unserer eigenen Kraft, mit unserer Zuversicht und unserem Schwung allein kommen wir nicht aus.

Wenn ich so eine Situation vor mir habe, krieg ich’s manchmal mit der Angst. Weil ich denke: „Das schaff’ ich nicht. Meine Kraft reicht nicht.“

Aber wenn ich es fertig bringe, nicht nur auf meine eigene Kraft zu vertrauen, hat das auch was Entlastendes. Denn dann hängt nicht alles an mir. Dann wird diese Woche nicht nur gut, weil ich so toll in Form bin und sie voller Selbstbewusstsein beginne. Die Woche kann auch gut werden, wenn ich die Erfahrung mache, dass meine Kraft tatsächlich nur für heute reicht. Aber mehr auch gar nicht nötig ist. Morgen ist neue Kraft da. Und übermorgen wieder.

So wird die Woche vielleicht nicht glänzend. Aber machbar. Das ist ja gerade das Gute an Gottes Hilfe: Sie ist nicht auf besondere Situationen beschränkt. Gott hilft uns auch nicht nur, wenn wir ein Stoßgebet zum Himmel schicken. Sondern er wirkt auch gern im ganz normalen Alltag. Schenkt uns hier ein bisschen Kraft, da etwas Schwung oder dort eine große  Portion Zuversicht. Gott gibt uns das, was wir für heute brauchen. Und hilft uns so erst mal über diesen Montagmorgen.

Audiobeitrag Montagmorgen


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