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Die Peitsche in der Hand
Zweiter Tag der Karwoche. Wo stehen wir, liebe Hörerinnen und Hörer? Wenn wir die letzten paar Tage im Leben des Jesus von Nazareth Revue passieren lassen?
Ein paar Schritte vom Anfang weg. Am Sonntag noch Jesu triumphaler Einzug in Jerusalem. Startschuss wie zu einem Heldenleben. Vor uns liegt alles, und alles liegt bereit, ergriffen zu werden. Es gibt Ereignisse in jedem Leben, von denen wir später erzählen werden Von da an
Es kommt das, was offenbar vorgesehen war im Guten wie im Schlechten- und wir sagen später Ja, von da an
Von da an begann unser gemeinsamer Weg. Mit unserer Liebe hätten wir die Welt aus den Angeln heben können. Von da an
als die Ärzte meine Lebensfrist auf eine kurze Zeit zusammenstrichen. Von da an
als ich im tiefsten Dreck dennoch Gottes Spuren fand und ihnen nachging zu einem weiteren Anfang. Von da an, als wir sagten: so wie er, so wie sie möchte ich werden; wo wir jubelten und aufschauten und glücklich waren. Unser Held,
Vorbild, Traum, Ideal. Unsere Lebenserfahrung hat es gezeigt: So fangen Karwochen an, jede einzelne in jedem Leben. Der Tag, der Alles ist möglich heißt, gibt die Stafette weiter an den Tag der den Namen trägt gespanntes Zuwarten. Und warten macht nervös. Da muss doch noch etwas kommen. Wo ist unser Held, der Heilsbringer. Oder ist auch er nur eine Luftnummer, ein Hallodri, der sich mit ein paar Gefährten einen schönen Lenz in der Hauptstadt macht.
Aber nein, da ist er ja. Wo geht er hin? Direkt in die Höhle des Löwen. Los Leute, ihm nach es gibt sicher was zu sehen. Zum Tempel, dem geweihten Ort, heilig eigentlich; sieht man vom Vorhof ab, wo die großen Geschäfte mit der Religion und dem schlechten Gewissen gemacht werden. Opfertiere verkauft, Geld gewechselt, Rendite eingefahren, Betrug organisiert. Das ganze normale menschliche Leben halt.
Aber direkt im Angesicht Gottes, sollte es da nicht noch anders zugehen, versuchsweise wenigstens? Oder glaubt da vielleicht keiner mehr so richtig an Gottes Anwesenheit.
Glauben wir Christenmenschen noch an Gottes Gegenwart? Denken wir vielleicht, er könnte abgelenkt sein von den schrecklicheren Orten auf der Welt, dem nahen und fernen Osten oder Afrika. Sieht er vielleicht nicht unsere großen und kleinen Betrügereien? Wie wir unseren Nächsten das Leben schwer machen, in offenen Wunden bohren, Kinderseelen beschmutzen und Werte verhökern.
Jesus steht im Vorhof, und er sieht, wie der Böse reichlich Ernte hält und er sieht, dass es bei uns nicht mehr mit gutem Zureden getan ist. Zu abgestumpft sind wir da muss es schon mal richtig wehtun.
Und schon hat Jesus die Peitsche in der Hand. Der Tanz geht los. Aber anders als wir uns das vielleicht gedacht haben. Wie ein Berserker fährt er darein in unsere wohlgeordnete Werteschacherwelt. Da fliegen die Tische um, kullert der Mammon auf dem Boden. Die Wertehändler kriegen Beulen und handeln sich blutige Striemen ein.
Der Tanz geht los. Aber der Rhythmus mag uns nicht gefallen. Wir hinken vom ersten Schauplatz. So haben wir nicht gewettet. Da läuft was aus dem Ruder für uns. Es ist Dienstag in der Karwoche.
Die Peitsche in der Hand
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