Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.04.09, Pfarrer Gerd Höft

Am Anfang sind wir alle Helden

Diese Woche, liebe Hörerinnen und Hörer wird geprägt von dem alles beherrschenden schwarzen Tag, dem Karfreitag. Als Kind hat die mich diese Woche am meisten bedrückt.

Heute fühle ich mich mitgenommen auf einen Weg, den Jesus damals gegangen ist und meditiere in dieser Woche seine Stationen Tag für Tag.

Ich weiß, sein Weg damals ist der Weg so vieler geworden, bis zum heutigen Tag, auch meiner, auch Ihrer. Ein Weg, der uns Schritt für Schritt unserer Lebendigkeit beraubt und uns schließlich sterben lässt.

Alles beginnt wie eine Heldengeschichte. Am Anfang sind wir alle Helden. Die Welt, das Leben liegt vor uns, bereit, erobert zu werden, bezwungen zu werden. Wir wähnen uns auf dem Glücksweg. Alles wird gut, wir sind gut.

Alles beginnt mit einem Versprechen. Verliebte versprechen sich den Himmel auf Erden. Ehepaare versprechen zueinander zu stehen in guten wie in bösen Tagen. Eltern versprechen, für ihre Kinder zu sorgen. Politiker versprechen das Blaue vom Himmel und Gott verspricht, bei uns zu sein bis an der Welt Ende. Sonntagsgeschichten sind das. Und dann kommen die Montage in unser Leben. Verliebte lernen Hass oder Gleichgültigkeit kennen. Ehepaare jagen sich Anwälte auf den Hals, und angesichts mancher Eltern wünschte man den Kindern, sie wären besser nie geboren worden.

Und Gott? Hält der wenigstens sein Versprechen? Auch da plustert sich der Montagszweifel mächtig auf. In weiten Teilen der Welt herrscht doch das nackte Entsetzen. Dabei geht es nicht nur um Mord und Totschlag in den Krisengebieten. Auch unser kleines Leben ist ja oft genug ein Krisengebiet. Mord und Totschlag sind da zwar selten – Gott sei dank. Aber Kränkungen, Verletzungen der Seele, der großen wie der kleinen, sind ja auch nicht von schlechten Eltern.

So sehen sie also aus, unsere Ouvertüren zum eigenen Heldenleben. Zuerst wirst du mit großem Tamtam im Leben empfangen, und dann kommt’s knüppeldick.

Als Jesus damals in Jerusalem einzog, eine Hand voll Tage vor seiner Hinrichtung, da konnte es auch nicht bombastisch genug zugehen. Da riss man sich die Kleider vom Leib, schnitt einfach ein paar Palmwedel von den umstehenden Bäumen und machte auch sonst großes Geschrei um den Mann aus Nazareth. Ich führe eine neue Zeit heran, hat er gesagt. Eine Zeit, die alles Vorangegangene in den Schatten stellen wird. Ich hole euch den Himmel auf die Erde, hat er gesagt.

Am nächsten Tag sind die Kleider wieder aufgesammelt, die Zweige und Blumen von der Straßenreinigung beseitigt. Jesus ist mit seinen Anhängern irgendwo in der Stadt. Nichts ist passiert. Vielleicht muss man ihm noch ein bisschen Zeit lassen. Also geben wir allen und jedem noch eine Chance: ihr, die ihr verliebt seid, gebt euch nicht auf, auch wenn eure rosarote Welt die ersten grauen Schleier kriegt. Ihr Ehepaare, kümmert euch um euch, damit sich nicht der Kummer um euch kümmert. Und ihr, ihr Eltern, schaut in die Augen eurer Kinder und liebt euch in ihnen, damit ihr sie lieben lernt.

Und Gott? Beizeiten werden wir auch dich an dein Versprechen erinnern. Es ist Montag; aber noch ist nichts wirklich verloren.

Audiobeitrag Am Anfang sind wir alle Helden


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