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Die Fußwaschung
Die Füße sind schwielig, die Nägel gelb verfärbt, die Zehen verformt. Aber zärtlich - als packe er eine große Kostbarkeit aus,
schält Arne diese Füße aus ihren Schuhe und Strümpfen. Taucht sie eine blaue Schüssel mit schaumigen Wasser. Die Füße gehören Frau B.
Frau B. ist 84. Sie lebt noch in ihrer Wohnung, aber sie braucht dazu mehr und mehr Hilfe. Arne ist so eine Hilfe. Dreimal in der Woche kommt er und wäscht Frau B. die Füße. Am Anfang hatte er Angst, dass er sich ekelt. Angst, dass Frau B. ihm das ansieht. Füße sind etwas sehr intimes. Auch Frau B. hat sich am Anfang geschämt, ihm ihre Füße zu zeigen. Zuzumuten, hat sie gesagt.
Vor vier Jahren war Arne an einem Gründonnerstag mehr durch Zufall in die Kirche gegangen. Dort feierte man einen fast vergessenen christlichen Brauch. Alle wuschen sich gegenseitig die Füße mit Duftölen. Das hatte Jesus auch bei seinem letzten Abendmahl getan. Nächstenliebe, dass war aufeinmal sehr konkret. Neben ihm in der Bank saß Frau B. Und da hat Arne das erste Mal in seinem Leben einem anderen die Füße gewaschen.
Er sah Frau B. Füße und darin ihr Leben. Da wo sie sicher gestanden ist, da wo sie schwer zu tragen hatte, da wo sie verformt wurde. Er sah da auch, was aus seinen Füßen einmal werden wird. Dass das gar nicht schlimm ist, wenn dann mal wer kommen wird und meine Füße wäscht..
Sprecher: Michael Birgden
Die Fußwaschung
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