Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.03.09, Pastor Christoph Neumann

Paulus in Athen

„Wenn nicht Meinung gegen Meinung offen gesagt wird, lässt sich die bessere nicht finden“ So hat einmal Herodot, ein griechischer Geschichtsschreiber gesagt.

Es gibt Gesprächspartner, mit denen bin ich einer Meinung. Solche Gespräche sind angenehm. Da unterhält man sich über das, was uns miteinander verbindet. Es tut gut, sich in seiner Meinung zu bestätigen.

Ein gutes Gespräch kann mich jedoch auch herausfordern, weil ich eine andere Meinung erfahre. Ein solches Gespräch kann meine Überzeugung, und damit mich selbst verändern. Auch der vielfach geforderte Dialog zwischen Religionen kann ein solches herausforderndes Gespräch sein.

Die Bibel erzählt von einem solchen Dialog. Paulus, ein Theologe aus Israel besucht Athen. Die Metropole griechischer Philosophie und Literatur, in der auch Herodot einst wirkte. In dieser Stadt wurde natürlich auch viel diskutiert. Das geschah öffentlich auf dem Marktplatz, der so genannten Agora. Und besonders spannend war es immer dann, wenn es etwas Neues zu sagen oder hören gab. Klar, dass auch Paulus dort zu finden war. Er hatte sich die Heiligtümer und Tempel der Stadt angeschaut. Zwischen den vielen Anbetungsstätten fand Paulus einen Altar mit der Aufschrift: „ Dem unbekannten Gott“. Diese Aufschrift erinnerte den Apostel daran, dass er selbst einmal Gott in einer ihm bisher unbekannten Art und Weise begegnete. So macht Paulus diesen Altar zum Thema über eine Disputation mit den Gebildeten in Athen. In dieser Disputation trafen Meinungen gegen Meinungen. Für Paulus war der unbekannte Gott, für den man den Altar gemacht hatte, der Gott, der sich in Jesus Christus gezeigt hat. Und dieser Christus, das war seine feste Überzeugung, war von den Toten auferstanden.

Eine solche religiöse Meinung war für die griechischen Gelehrten eine Zumutung. So entstand ein Gespräch, in dem offen Meinung gegen Meinung ausgetauscht wurde. Da gab es am Ende auch Ablehnung und sogar Spott gegen den christlichen Theologen Paulus. Aber es gab auch einige Zuhörer, die ihre Meinung änderten und ins Nachdenken kamen. Auch heute brauchen wir das Gespräch zwischen den Religionen. Und auch da ist es wichtig, dass wir dieses Gespräch offen führen. So offen, dass Meinung gegen Meinung, Glaubensbekenntnis gegen Glaubensbekenntnis stehen darf. Da darf es auch Ablehnung geben. Und statt Spott sollte man in Liebe miteinander umgehen.

Auch im Gespräch zwischen Muslimen, Juden und Christen gilt es, offen, und in Liebe auch die gegensätzlichen Glaubensinhalte auszusprechen. Denn nur da, wo wir in Liebe und Wahrhaftigkeit miteinander im Gespräch sind, kann es geschehen, dass ich meine Überzeugung ändere und eine andere, und vielleicht auch bessere Überzeugung gewinne. Und das gilt nicht nur für religiöse Fragen. Sondern auch für die vielen kleinen Meinungsunterschiede in unserem Alltag. Und auch da ist es ja eine gute Sache, wenn wir durch ein herausforderndes Gespräch, in dem Meinung gegen Meinung offen gesagt wird, eine neue Position finden.


 

Audiobeitrag Paulus in Athen


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