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Paulus und eine Weggefährtin
Autor: Ein gemeinsames Ziel kann verbinden. Zum Beispiel auf dem Weg zu einem internationalen Festival. Da trifft man schon auf dem Flughafen Leute,
die auch dorthin wollen sind. Und plötzlich werden die letzten Brocken Englisch aus dem Gedächtnis geholt und man unterhält sich mit Händen und Füßen mit wildfremden Menschen. Das gemeinsame Ziel verbindet. Da spielt es plötzlich keine Rolle mehr, ob jemand aus China kommt oder Italien oder Russland. Und welche Hautfarbe er oder sie haben. Im Gegenteil. Es wird auf einmal anregend und interessant, wie Menschen aus anderen Nationen und Kulturen über ein gemeinsames Thema denken.
Am Beginn des sogenannten christlichen Abendlandes steht ein Mann, der schon vor langer Zeit auf internationalen Wegen unterwegs war. Paulus, so heißt der Mann, hat eine Vision. Er möchte, dass auch Europa das Evangelium erfährt. Die gute Nachricht von der bedingungslosen Liebe Gottes in Jesus Christus. Seine erste Station auf diesem Weg ist Philippi. In dieser Stadt am östlichen Rand von Europa trifft der Theologe aus Israel eine Frau. Sie ist selbstständige Unternehmerin und betreibt ein Modehaus mit wertvoll gefärbten Textilien. Und diese Frau ist begeistert vom Evangelium.
Paulus kommt ursprünglich aus einer ganz anderen Kultur. In der gab es viele religiöse Schranken auf dem Weg zu Ausländern: Man verbot den Kontakt mit anderen Kulturen. Und auch das Rollenverständnis von Männern und Frauen war klar festgelegt: Frauen hatten den gleichen Stand wie die Sklaven. Damals war es selbstverständlich, Sklaven zu halten. Deshalb hatten Zeugenaussagen von Frauen vor Gericht auch keine Gültigkeit.
Da wundert es, dass dieser Mann mit einer für damalige Verhältnisse so emanzipierten Frau eine gemeinsame Arbeit beginnt. Die gute Nachricht von der Liebe Gottes zu allen Menschen hatte in seinen Überzeugungen grundlegende Veränderungen bewirkt. Der Glaube an Christus bewirkt einen neuen Lebensstil mit andren Menschen.
In einem Brief an eine seiner Gemeinden beschreibt Paulus, warum unter Christen diese Überzeugung gilt:
Sprecher: Ihr seid ja in Christus hineingetauft und habt damit Christus angezogen. Nun gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und Freien, zwischen Mann und Frau. Ihr seid alle eins in Christus Jesus
Das Ziel christlichen Glaubens bestand für Paulus in einer Gemeinschaft, in der die ethnischen und sozialen Schranken aufgehoben sind. Und es ein gleichberechtigtes und gleichwertiges Zusammenleben von Männern und Frauen gibt. Da wird es vielmehr anregend und interessant, wie unterschiedliche Menschen über ein gemeinsames Thema denken.
So kam es, dass Paulus und Lydia, so hieß die Frau, die erste christliche Gemeinde in Europa gründen. Heute gibt es an vielen Grenzen von europäischen Ländern keine Schranken mehr. Doch es gibt noch viele Schranken in unseren Köpfen. Zwischen Männern und Frauen. Zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmer. Und zwischen den unterschiedlichen Kulturen in Europa. Da erinnert uns der Völkerapostel daran, dass der Himmel, zu dem Christen unterwegs sind, ein internationales Festival sein wird und es deshalb schon jetzt schön sein kann, miteinander zu leben, ganz gleich woher wir kommen.
Paulus und eine Weggefährtin
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