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Nützt beten?
Beten nutzt doch nichts. Für Steffi scheint die Sache klar. Die Jugendlichen in meiner Konfirmandengruppe sollen sich einige Aussagen zum Thema beten ansehen
und nur die Sätze auswählen, denen sie zustimmen können. Beten ist was für Kinder und alte Leute heißt es da oder Beten ist Aufgabe der Pfarrer. Quatsch, meint einer der Jungs, die Fußballspieler beten doch auch immer vor dem Spiel. Das sieht man im Fernsehen. Andere sortieren weiter ihre Zettel. Auf einem steht Wer betet, spricht mit Gott, auf dem nächsten Wer betet, will etwas ändern. Alle flüstern, schreiben, ordnen. Nutzt Beten wirklich nichts? Steffi überlegt noch mal.
Dann sind Bilder dran. Bilder, auf denen man Menschen sieht, die beten. Ein Fußballspieler ist nicht dabei. Aber eine Frau am Sterbebett ihres Mannes, ein Mann auf den Fluren des Arbeitsamtes, eine Familie am Tisch vor dem Essen. Was denken diese Menschen, was fühlen sie, was könnten sie sagen, wenn sie beten?
Die Jugendlichen lassen ihre Fantasie spielen. Und entdecken dabei, was beten bedeuten kann. Innehalten, sich besinnen, zur Ruhe kommen. Gott danken, ihn bitten, einfach mit ihm sprechen. Die Jugendlichen reagieren besonders auf Bilder, die etwas Ungewöhnliches zeigen.
Zum Beispiel die Frau am Sterbebett ihres Mannes. Eine Hand ruht auf der Schulter des Verstorbenen, die andere hat sie auf seine gefalteten Hände gelegt. Sie schaut ihn an. Sie ist traurig und denkt an das Leben mit ihrem Mann, meint eines der Mädchen. Vielleicht betet sie, dass er jetzt wirklich bei Gott ist und es da gut hat, ergänzt ihre Freundin. Vielleicht bittet sie auch um Vergebung für sich und für alles, was nicht so gut war in ihrem Leben, meint ein anderer. Die Jugendlichen sind dem Beten auf der Spur.
Und der Mann auf den Fluren des Arbeitsamtes? Er sitzt dort allein auf einem Stuhl, nach vorn gebeugt, die Hände gefaltet. Man weiß nicht so genau, ob er wirklich betet oder nur so dasitzt. Aber er hofft, dass er einen Job bekommt, meint einer der Jungs. Und? Macht das Gott?, frage ich. Das kann sich hier keiner vorstellen. Ich mir auch nicht. Aber ein anderer ergänzt: Vielleicht betet er, dass Gott ihm die Kraft gibt für die Zeit, die jetzt kommt, egal, wie es ausgeht.
Wer betet, spricht mit Gott. Soviel scheint klar. Aber hilft es auch? Bewirkt es etwas? Vielen Menschen ist das Beten fremd geworden. Die meisten wissen: Eben mal beten, dass dieser oder jener Wunsch in Erfüllung gehen möge, führt zu gar nichts. Gott ist ja kein Automat. Aber wenn ich regelmäßig mit Gott spreche, dann verändert sich doch etwas. Es verändert mich. Denn für einen Moment lasse ich mich los und sehe von dem ab, was ich selbst kann und weiß. Manches, was ich vor Gott besprochen habe, verliert dann seine Macht. Sorgen verschwinden nicht, aber ich kann sie anders ansehen. Fragen lösen sich nicht auf, aber sie ordnen sich anders ins Leben ein.
Manche beten morgens, wenn der Tag beginnt. Vor dem Frühstück oder bevor sie mit der Arbeit anfangen. Andere am Ende eines langen Tages. Dann wird Beten eine gute Gewohnheit. So wie Tagebuch schreiben. Solches Beten muss man nicht lernen allenfalls eine Weile üben. Vielleicht hilft es, wenn man sich eine feste Zeit dafür nimmt oder einen bestimmten Ort dazu aufsucht. Dann entfaltet es eine besondere Kraft.
Übrigens: Steffi hat sich am Ende noch mal umentschieden. Auf Platz eins steht jetzt: Beten macht Mut.
Nützt beten?
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