Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.03.09, Pfarrer Titus Reinmuth

Ein Kreuz

Das rote M ist schon von weitem zu sehen. „Können wir hier Pause machen?“, rufen die Kinder von hinten. Sie wissen sofort, was los ist, wenn sie dieses Zeichen entdecken.

Bei dem roten M gibt’s Pommes und Burger. So ist das mit bekannten Symbolen. Das große M wird weltweit verstanden.

Flughafen Düsseldorf. Wir checken ein für den Flug nach Sao Paulo, Brasilien. Kirchenleute und Entwicklungshelfer in einer Schlange mit Touristen und Geschäftsreisenden. „Die Kette mit dem Kreuz würde ich an Ihrer Stelle ablegen“, rät eine Touristin einer jungen Frau aus unserer Gruppe. „Wenn Sie das tragen, werden Sie laufend angesprochen. Die Kinder wissen genau, bei wem sie betteln können.“ Das Kreuz der Christen – offenbar auch ein bekanntes Symbol. Die Straßenkinder von Rio oder Sao Paulo erkennen sofort: Hier kommt eine, der sind wir nicht egal. Auch das Kreuz wird weltweit verstanden. Würde das Gleiche passieren, wenn sie ein Herz trägt oder eine Sonne?

Ein Kreuz am Straßenrand. Davor eine Kerze und heute wieder ein paar frische Blumen. Mehrmals in der Woche fahre ich hier vorbei. Jedes Mal halte ich unwillkürlich inne, für eine Sekunde nur, und denke für einen Moment an den jungen Mann, der hier tödlich verunglückt ist. Dieser Baum am Straßenrand ist gekennzeichnet. An einen Menschen wird erinnert mit einem Kreuz. Hier weiß auch jeder, was passiert ist. Sofort.

Aber was zeigt es eigentlich, das Kreuz? Könnte man nicht auch einen Stein aufstellen, die Blumen allein sprechen lassen, oder ein Schild anbringen mit Name und Datum? Stattdessen ein Kreuz. Das verweist wohl noch auf etwas Anderes. Es sagt so viel mehr als das, was Menschen allein sagen können. Es stellt eine Verbindung zu Gott her. Das Kreuz zeigt: Das Leben dieses jungen Mannes ist nicht einfach ausgelöscht. Er hat einen Namen, sein Leben hat einen Ort, es ist nicht verloren, sondern hat Bedeutung. – Über den Tod hinaus!

Natürlich erinnert das Kreuz an den Menschen Jesus. Es verbindet sich zuerst mit seinem Namen, seinem Leben und seinem Tod. Da war so viel Hoffnung, so viel Bewegung, so viel Leidenschaft für das Leben! Viele spürten: In diesem Menschen kam Gott selbst zur Welt. Jesus von Nazareth starb einen schrecklichen Hinrichtungstod am Kreuz. Doch was erst wie ein Ende aussah, machte Gott zu einem Anfang. Er sei auferstanden, berichteten die Frauen und Männer aus seiner Nähe. Davon erzählt Ostern. Und seither ist das Kreuz ein Zeichen des Lebens. Es zeigt: Gott hat sich leidenschaftlich und untrennbar mit uns Menschen verbunden. Wir sind ihm nicht egal. Er will für uns das Leben.

Das Kreuz als Symbol ist weltweit bekannt. Es zeigt die Nähe Gottes. Es kennzeichnet Menschen, die anderen helfen. Es wird zum Zeichen für das Leben gegen den Tod. Ich weiß nicht, ob die Familie des jungen Mannes das alles auch so sagen würde. Oder ob jede Frau, die ein hübsches Kreuz an ihrer Kette trägt, sich gleich als Christin outen will. Aber gut, dass wir dieses Zeichen haben. Das Kreuz spricht für sich selbst. In allen Sprachen auf der Welt.

Audiobeitrag Ein Kreuz


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