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Liturgische Farbe Rosa
Welche liturgische Farbe hat der Sonntag Lätare? Das ist so eine beliebte Fangfrage im Theologischen Examen.
(Glücklich, wer überhaupt weiß, dass es liturgische Farben gibt.) Gestern haben wir ihn gefeiert: den Sonntag mit dem Namen Lätare. Das ist lateinisch und heißt: Freuet euch! Ein Freudensonntag mitten in der Passions- und Fastenzeit. Etwas Außergewöhnliches, was sich vermutlich auch farblich zeigt.
In katholischen und den meisten evangelischen Kirchen hängen am Altar und der Kanzel Tücher in verschiedenen Farben. Sie haben eine bestimmte Bedeutung und wechseln je nach Kirchenjahreszeit. Weiß, die Farbe des Lichts und des Lebens, zu Weihnachten und Ostern. In den Zeiten davor, also in der Advents- und jetzt in der Passionszeit: Violett als Farbe der Umkehr und des Leidens. Und dann gibt es noch eine lange Alltagszeit in grün, aus der sich besondere Feste in rot herausheben. Nur Karfreitag ist schwarz. Weiß, violett, grün, rot, schwarz - doch welche Farbe hat nun der Sonntag Lätare, mit der Aufforderung Freuet euch und das mitten in der Leidenszeit Jesu? Fangfrage, denn keine der genannten Farben ist es. Nur an Lätare wird das Weiß des Lebens in das Violett des Leidens gemischt und das ergibt: Rosa. Rosa ist also die richtige Antwort, die kaum einer weiß.
Für uns vielleicht schon gar nicht mehr zu verstehen, aber im 13. Jahrhundert empfahl ein Papst für diesen Sonntag in der Mitte der Fastenzeit, ein Maß trostvoller Erholung
, so dass der Mensch in seinem Glauben nicht zusammenbricht unter der harten Belastung des Fastens.
Ein bisschen leichtes Weiß in das schwere Violett des Fastens mischen, hätte er auch sagen können. Das kennt heute kaum einer mehr. Aber heute wird auch kaum einer mehr unter der harten Belastung des Fastens zusammenbrechen, weil wir uns längst keine religiösen Vorschriften mehr machen lassen. Fasten ist zu einer Randerscheinung verkommen und wird selbst unter Gläubigen nur mühsam wiederentdeckt. Wir brauchen keine rosa Pause vom Fasten, eher einen farbigen Impuls, der uns neu zum Fasten hinführt.
Wer fastet, verzichtet bewusst auf etwas, was einem lieb und teuer ist wie Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol oder Tabakkonsum. Oder aber er versucht das Leben bewusster in dieser Zeit zu leben: Manche lesen in der Bibel, andere nehmen sich mehr Zeit für ihre Kinder oder Eltern, wieder andere schließen sich einer Fastengruppe an. Die evangelische Kirche begleitet diese Zeit mit der Aktion 7WochenOhne. Ich finde das gut, denn wenn wir den Glauben gar nicht mehr ein- beziehungsweise ausüben, nehmen wir uns den Raum, etwas von Gott zu erfahren. In den Freiräumen, die wir durch das Fasten gewinnen, ergibt sich Raum für Gotteserfahrungen. Wenn der Fernseher einmal nicht jede freie Minute durchflimmert, ist Raum für andere Farbe. Wenn die tägliche Flasche Bier einmal stehen bleibt, dann spüren wir, wie sehr es bloß eine Gewohnheit ist und wir unseren Abend auch anders gestalten können. Mit einem Buch, einem Telefonanruf oder auch einfach mit Stille.
Also: Sonntag Lätare, Freuet euch! ist rosa. In das Grau unseres immer gleichen Alltags können wir mit einem Fastenversuch ein wenig Farbe mischen. Wir können entdecken, dass Gott sich in unser Leben einmischen will. So wie sich an Lätare weiß unter violett mischt. Das Leben wird durchs Fasten zwar nicht rosarot, aber intensiver. Dann merken wir vielleicht, dass Gott in unserem Leben mitmischt. Ich wünsche es Ihnen.
Liturgische Farbe Rosa
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