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Ich will Gerechtigkeit
Sonntage haben einen Namen. Das glaubt vielleicht nicht jeder. Stimmt aber trotzdem. In der frühen Geschichte der Kirche fing man an,
jedem Sonntag bestimmte Texte aus der Bibel zuzuordnen, die dann im Gottesdienst des Sonntags vorgelesen wurden. Und irgendwann wurde aus einem Wort des Bibeltextes der Name des betreffenden Sonntags abgeleitet.
Was geht mich das an, fragt man sich jetzt natürlich. Alter Kram. Aber wir können ja mal näher hingucken. Morgen der Sonntag zum Beispiel heißt Judika. Das ist lateinisch und das erste Wort des Psalms 43 aus der Bibel. Auf Deutsch lautet der Anfang dieses Psalms: Verschaff mir Recht, o Gott, und rette mich von den falschen und bösen Leuten.
Wenn ich im Recht bin, will ich auch Recht haben. Aber oft kriege ich kein Recht, obwohl ich Recht habe. Und ob um mich herum, im Alltag, in unserer Gesellschaft alles Recht zugeht, ob Gerechtigkeit herrscht da darf man wohl mit Grund zweifeln. Die Bibel kennt das genau: Es gibt immer wieder Stress mit falschen und bösen Leuten. Und statt dass, wie im Film, stets das Gute siegt und am Ende Recht bekommt, gibts jede Menge Unrecht.
Der Sonntag Judika erinnert daran, wie einer nach Gott schreit, um sein Recht zu bekommen. Dahinter steckt die Einsicht, dass wir Menschen es mit der Gerechtigkeit meist nicht wirklich hinkriegen. Dahinter steckt aber auch die Erkenntnis, dass wir vielleicht nichts so dringend brauchen wie Gerechtigkeit. Weil sonst die Falschen und Bösen vorn dran sind. Und wer kann das schon wirklich wollen?
Sprecher: Michael Birgden
Ich will Gerechtigkeit
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