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Zukunftsangst (Aus dem Alltag der Hartz-IV-Gesellschaft, Nr. 2)
Durch die Wirtschaftskrise haben sich die Zukunftschancen der jungen Generation massiv verschlechtert, hat kürzlich der Sozialwissenschaftler
Klaus Hurrelmann aus Bielefeld festgestellt. Selbst große Bemühungen um einen Berufseinstieg fruchten nichts. Die Angst, nicht ins Erwachsenenleben eingelassen zu werden, so der Forscher, könnte zu Protesten führen.
In meiner Tageszeitung gab's dazu einen Kommentar. Erst die übliche Mischung aus Verständnis und Entrüstung. Dann der mahnende Zeigefinger: Das politische Interesse ist unter Jugendlichen so gering wie nie. Wer sich resigniert ins Private zurückzieht, darf sich nicht wundern, wenn seine Meinung unberücksichtigt bleibt. Auf die Idee, dass die Resignation vielleicht die logische Folge der mangelnden Zukunftschancen ist und sich die Katze da irgendwo in den Schwanz beißt, kam der schlaue Zeitungsmann wohl nicht.
In der Bibel beim Profeten Joel heißt es einmal: Eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume und eure Jungen Visionen haben. Bemerkenswert: Das Weissagen, also der Blick in die Zukunft, ist nicht Sache der Alten, sondern der Jungen. Die müssen sie ja schließlich auch gestalten, wenn die Alten nicht mehr da sind. Das ändert nichts daran, dass die Chance auf Zukunft von den Alten eröffnet werden muss. Wenn dazu die Träume und Ideen fehlen, werden die Jungen auch keine Visionen haben und eines Tages dann bloß noch die Trümmer dessen zusammenkehren, was die Alten angerichtet haben.
Sprecher: Michael Birgden
Zukunftsangst (Aus dem Alltag der Hartz-IV-Gesellschaft, Nr. 2)
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