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Ein-Euro-Jobber (Aus dem Alltag der Hartz-IV-Gesellschaft, Nr. 1)
Wo ist Oliver? fragte der Ältere der beiden Männer. Kommt nicht wieder, antwortete der Jüngere. Die neun Monate sind rum.
Die beiden trugen blaue Uniformjacken mit der Aufschrift Ordnungsdienst. Sie gehören zu einem Service, den unsere örtliche Verkehrsgesellschaft vor gut einem Jahr eingerichtet hat. Der Ordnungsdienst gibt fragenden Fahrgästen Auskunft, hilft Gebrechlichen beim Ein- und Aussteigen und hat vor allem ein Auge darauf, dass es in der Bahn nicht dauernd aussieht wie Sau.
Dass Oliver nun nicht mehr nach dem Rechten sieht, hat einen besonderen Grund. Der Ordnungsdienst ist nämlich zusammengesetzt aus Leuten, die schon länger erwerbslos sind. Sie bekommen jeden Monat ihre kleine gesetzliche Unterstützung. Und dazu gehen sie einer so genannten Gemeinwohlarbeit nach. Auf Neudeutsch: einem Ein-Euro-Job.
Ein-Euro-Jobs sind zeitlich begrenzt. Was danach aus den Leuten wird, weiß keiner so genau. In richtige Arbeit werden nur die allerwenigsten vermittelt. Die meisten kriegen weiter Stütze und warten auf die nächste Maßnahme. Leute wie Oliver zeigen: Wer keine Arbeit hat, will vor allem ein´s: arbeiten. Und es gibt auch genug Sinnvolles zu tun. Warum also einer wie Oliver jetzt wieder beschäftigungslos ist, statt einfach weiter in der Straßenbahn für Ordnung zu sorgen dass muss mir in Zeiten der milliardenschweren Rettungspakete erst mal noch einer erklären.
Sprecher: Michael Birgden
Ein-Euro-Jobber (Aus dem Alltag der Hartz-IV-Gesellschaft, Nr. 1)
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