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Amoklauf
So etwas passiert doch nur in Amerika oder sonst wo ganz weit weg. Dass ein Jugendlicher sich eine Waffe besorgt, in eine Schule geht und Schüler und Lehrer ermordet;
einfach über den Haufen schießt und auf seiner Flucht nicht mit dem Töten aufhört. Und dann kommen die Erinnerungen an Emsdetten und Erfurt und ich spüre, wie mir der Schrecken in die Glieder fährt.
Nein, auch bei uns. Auch bei uns geschehen diese unfassbaren Dinge. Dann könnte ich heulen und bin zugleich voller Zorn. Zornig über den jungen Mann, der sich zum Herrn über Leben und Tod gemacht hat, der neun jungen Menschen den viel zu kurzen Lebensfaden gekappt hat. Und andere mit in den Tod riss.
Das kann und darf doch nicht sein. Ich bin selber Vater und ich will mir gar nicht vorstellen wie das ist, wenn das Telefon klingelt oder es an der Haustür schellt und jemand sagt, dein Sohn wurde erschossen, deine Tochter ist tot. In diesen Augenblicken ist nicht nur das Opfer tot, es sterben auch die Hinterbliebenen einen grausamen seelischen Tod. Und ich versuche erst gar nicht, zu begreifen, was in einem jungen Menschen vorgeht, der beschließt zu töten, ich will jetzt nichts von seinen möglichen Motiven wissen. Ich will jetzt nicht nach Entschuldigungen suchen. Es gibt keine. Nicht für mich. Nicht heute. Er ist ein Mörder. Er hat unfassbares Leid über Menschen gebracht.
Wie konnte das passieren? Ich kenne schon die hilflosen Erklärungsversuche. Wie kann Gott das zulassen? Auch diese Frage wird wieder im Raum stehen. Da wird es sicher auch kluge und mitfühlende Worte von uns Kirchenleuten geben. Ich habe jetzt und heute keine. Will auch keine haben. Zu tief sitzt noch das Entsetzen. Will das alles nur Gott vor die Füße werfen. Will ihm sagen: du bist dran. Kümmere dich um all die, die aus Verzweiflung nur noch Schmerz empfinden. Kümmere dich um die Opfer, die zurückgeblieben sind, kümmere dich um die Eltern und Großeltern, die Geschwister, um die Freunde. Mögen Sie von dir etwas erfahren, was sie über die nächste Zeit trägt, was ihnen eine Brücke zurück ins Leben baut. Du Gott, weißt doch, woran wir verzweifeln. In wenigen Wochen, an Karfreitag, denken wir auch daran, dass auch du einmal einen Sohn verloren hast. So hilf mit, dass irgendwann einmal dein Trost größer sein wird als der Schmerz.
Amoklauf
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