Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.03.09, Beate Raguse

Entdecken

Es gibt Menschen, die entdecken. Columbus eher zufällig Amerika, Weltraumforscher das Wasser auf dem Mars,

Katrin nach monatelanger Laborarbeit eine bestimmte Reaktion eines Proteins.

Und es gibt Menschen, die werden entdeckt. Kate Moss zum Beispiel, auf einem Flughafen. Ihr Vater  hatte  gerade Probleme beim Buchen, sie stand da und verdrehte genervt die Augen. Gerade als die Agentin einer Modelagentur vorbei kam und sie so entdeckte.

Gelesen hatte ich das schon oft, plötzlich kam es mir komisch vor. Schließlich war Kate Moss ja auch vorher schon da, sie hatte sich nicht versteckt. Sie war nicht mikroskopisch klein und auch nicht Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Trotzdem musste sie entdeckt werden. Oder eigentlich nicht sie, sondern ihr Aussehen, dass sie das Zeug zum Modell hatte. Und selbst das fiel nicht jedem auf, etwa 50 Prozent der Leute in der Modeszene bescheinigten ihr nur ein mittelmäßiges Aussehen.

Zum Entdecken gehören also immer zwei: der, der entdeckt wird und der, der etwas sieht, was andere nicht sehen. Wenn beide sich treffen, klappt es mit dem Entdecken: auf dem Flughafen, beim Oktoberfest, in der Boxengasse.

Warum nicht auch gleich auf dem Sofa neben mir, in der Mensa, bei der Arbeit. Man braucht weder ein Raumschiff noch ein Mikroskop. Man muss nur aufmerksam sein, um zu entdecken; schöne Augen, eine nette Eigenschaft, ein schlummerndes Talent.

Sprecher: Michael Birgden

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