Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.03.09, Pfarrer Matthias Köhler

Soundso

Frauenstimme: „Sie sehen aber gar nicht aus wie ein Pfarrer...“ Männerstimme: „Also, die Pastoren heutzutage..."

Andere Frauenstimme: „So hätte ich Sie mir gar nicht vorgestellt...“

Autor: Es ist schon erstaunlich, welche Bilder manchmal in den Köpfen der Menschen herumspuken, welche Bilder wir von anderen haben. Welche Erwartungen wir an andere und an ihr Verhalten stellen. Manchmal macht es mir Spaß, mit Erwartungen zu spielen, Bilder in den Köpfen meiner Mitmenschen durcheinander zu bringen oder neu zu sortieren. Vorurteile zu durchbrechen. Mein Beruf ist dabei durchaus hilfreich.

Frauenstimme: „Darf man denn als Pfarrer einen Ohrring tragen?“
Männerstimme: „Sie fahren Motorrad, als Pfarrer?“
Andere Frauenstimme: „Ihre Metallica CD ist das...?“

Autor: Es ist wichtig für den Menschen, dass er die Welt erklären und erfassen kann. Es ist wichtig, dass ich mir von meinem Gegenüber ein Bild machen kann, dass ich aus meiner Erfahrung ableiten kann, wie ich mit Anderen richtig umgehe. Insofern haben Erwartungen und Urteile durchaus ihren wichtigen Platz im Leben und im Umgang miteinander. Schwierig wird es, wenn die Erwartungen, die an mich gestellt werden, wenn die Bilder, die andere in ihren Köpfen haben, beginnen mein Leben zu bestimmen und einzuengen. Wenn man nämlich nur noch versucht, die Erwartungen der anderen zu erfüllen, ihrem Bild zu entsprechen. Die Berliner Band „Wir sind Helden“ hat ein Lied darüber geschrieben, „Soundso“.

Sprecher: „Sie wissen genau wer du bist - Du bist uns so einer
Sie sagen es so wie es ist - So gut kennt dich keiner
Und zwar bist du vom Wesen soundso - Soundso so irgendwie
Verstehen sie dich, das macht sie froh - So einer ändert sich nie“

In dem Song geht es um Erwartungen, um Schubladen. Und darum was passiert, wenn man in den Schubladen stecken bleibt:

Musik, Wir Sind Helden - "Soundso", Album: "Soundso" (2007)

„Dein Vater ist froh, Weil er weiß, Du bist soundso!
Und Mutter ist froh, Weil sie weiß, Du bist soundso!
Dein Haustier ist froh,  Weil es weiß, Du bist soundso!
Dein Lehrer ist froh, Weil er weiß, Du bist soundso!
Die Freunde sind froh, Alles klar, Du bist soundso!
Auf Arbeit alle froh, Alles klar, Du bist soundso!
Zuhause alle froh, Alles klar, Du bist soundso!
Du gehst k.o., Weil du weißt, Du bist soundso!....“

Wenn ich mein ganzes Leben und Verhalten nur noch an den Bildern der Anderen ausrichte, ersticke ich irgendwann in der Schublade, in die ich gesteckt worden bin.

Klar, dass es ein paar grundlegende Regeln des Zusammenlebens gibt, die man beachten sollte: Nicht stehlen, nicht lügen, nicht verletzen. Das bedeutet: den anderen respektieren, ihn ernst nehmen, ihn so sein lasen, wie er oder sie ist. Denn das Leben soll kein Mitlaufen im Gleichschritt sein. Keiner soll sich so sehr verbiegen, dass er dabei k.o. geht. Ich darf und soll mein Leben in die Hand nehmen, gestalten, Entscheidungen treffen und verantworten.

Vor mir, vor meinen Mitmenschen. Und vor Gott, der mir mein Leben und meine Freiheit geschenkt hat. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes, ganz unterschiedlich ausgestattet und begabt. Nicht einfach soundso. Sondern einzigartig.

Musik:
„....wirklich nichts davon soundso
Und sowieso bleibt nichts davon soundso
Und sowieso ist nichts davon soundso
Glaub mir nichts davon bist du“

Audiobeitrag Soundso


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