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Schutzengel
Neulich habe ich wirklich Glück gehabt. Oder war es gar kein Glück? Ich habe mein Moped aus der Garage geholt.
Das schöne Wetter ausgenutzt. Nachmittags, die Sonne stand tief, blendete und trotz Sonnebrille habe ich nichts mehr gesehen. Und dann musste ich quasi im Blindflug um eine Kurve fahren. Eigentlich fahre ich Kurven ja ganz gerne schön in Schräglage, aber irgendwas sagte mir: Geh mal vom Gas, fahr mal langsam, Finger auf die Bremse. Noch fast in der Kurve stand ein LKW und hat was abgeladen. Ein bisschen schneller und ich wäre voll reingefahren. Ohne Knautschzone. Glück gehabt! Sozusagen einen Schutzengel.
Es gibt ja diesen berühmten Aufkleber: Fahre nie schneller, als dein Schutzengel fliegen kann. Umfragen sagen, dass fast die Hälfte aller Deutschen an Schutzengel glaubt. Und ein Drittel glaubt, dass ihnen der Schutzengel schon mal geholfen hat, sie ihn gesehen, erlebt haben. Im Internet kann man solche Geschichten nachlesen:
Zitate aus Internetforen (Quelle: http://24570.dynamicboard.de/t341f35-begegnung-mit-dem-schutzengel.html)
Frauenstimme:(...) Das stärkste Erlebnis hatte ich (...) auf der Autobahn (...) als mein Wagen von einem anderen (...) gerammt wurde, bei Tempo 120. Es ging so schnell, ich sah ihn auch nicht kommen, er fuhr viel zu schnell. Jedenfalls drehte sich mein Auto wie ein Kreisel und schleuderte auf die Überholspur in Richtung Leitplanke. Plötzlich sagte jemand ganz klar und deutlich: du musst bremsen - und ich bremste. (...) und kam auf dem Pannenstreifen zu stehen.
Männerstimme: (...) als ich auf einer Dienstreise bei starken Schneefällen ins Schwitzen kam, saß er plötzlich neben mir und sagte "ich bin bei Dir sorge dich nicht". Seit dem treffen wir uns regelmäßig auch ohne Grund.
Frauenstimme: Ich weiß aber, dass irgendwer oder irgendwas irgendwo auf mich aufpasst
Das ist eine schöne Vorstellung. Jemanden zu haben, der uns beschützt, der auf uns aufpasst, der das Schlimmste verhindert und dafür sorgt, dass wir Gefahrensituationen gut überstehen. Wir wissen doch, wie gefährdet das Leben und das Glück ist. Der Wunsch nach Sicherheit ist die logische Konsequenz. Der Wunsch nach einer Macht, nach einer Instanz, die uns beschützt vor den Gefahren des Lebens. In Psalm 91 lese ich:
Frauenstimme: Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Dass sie dich auf ihren Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.
Ist das so? Sind wir beschützt? Gibt es Gottes Schutzengel? Was ist denn dann mit denen, die kein Glück haben? Denen etwas passiert, die Unfälle, Krankheiten erleiden? Hat deren Schutzengel geschlafenen? Oder haben nicht alle Menschen einen Schutzengel? Oder nur für eine bestimmte Zeit?
Wie war das an jenem sonnigen Nachmittag: Hatte ich einfach Glück? Oder genug Erfahrung? Oder doch einen Schutzengel als Sozius?
Ich kann es nicht beantworten. Aber Hanns Dieter Hüsch fällt mir ein, der ganz selbstverständlich immer wieder erzählt hat, dass er Gott ganz regelmäßig in Dinslaken getroffen hat, weil die Schwester von Gott dort eine kleine Wäscherei betreibt und dass er mit Gott dort immer wieder Kaffee getrunken hat. Das ist doch etwas anderes sagen sie? Eine anrührende aber erfundene Geschichte? Ich weiß nicht. Immer wieder berichtet uns die Bibel, dass man Gott treffen kann, dass Gott den Menschen begegnet.
Für mich ist das das Entscheidende: Uns trägt nicht ein Schutzengel, der uns vor allen Gefahren behütet, der uns in Watte pampert und für uns die Kastanien aus dem Feuer holt. Sondern der Schöpfer des Himmels und der Erde selbst hält uns in seiner Hand, passt auf uns auf, begegnet uns. Ich bin froh und dankbar, dass ich an jenem Nachmittag keinen Unfall hatte. Aber ich verlasse mich auch in Zukunft nicht auf einen Engel. Ich verlasse mich weiterhin auf Gott. Und auf seine Botschaften wie z.B. damals: Pass auf, fahr langsam.
Schutzengel
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