Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.02.09, Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer (Choralandacht)

Du großer Schmerzensmann (eg 87)

Choral: Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen, Herr Jesu, dir sei Dank für alle deine Plagen: für deine Seelenangst, für deine Band und Not,

für deine Geißelung,  für deinen bittern Tod.

Lieber Adam Thebesius, „Dieses Lied ist für mich der Inbegriff der Passionszeit“, sagte eine Frau mal zu mir, “Vom Vater so geschlagen, das war Jesus, als er verlassen und einsam starb.“ Und genau wegen dieser Zeile hat eine andere dein Lied auf ihre persönliche schwarze Liste gesetzt: Wenn es im Gottesdienst gesungen wird, bekommt sie eine Gänsehaut.

Choral: Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen,   

Ein Vater schlägt sein Kind – da kann doch nichts Gutes draus werden! Du sagst hier das,  was die Theologen deiner Zeit dachten. Doch biblisch ist das nicht. In der Bibel ist Gott nicht einer der Henker, sondern Gott ist eins mit Jesus, als der am Kreuz stirbt. (0:18)

Choral: Herr Jesu, dir sei Dank  für alle deine Plagen:

Du dankst Jesus auch noch für seine Plagen. Bist du froh darüber, dass er ausgehalten hat, was Du eigentlich hättest tragen müssen? Dass er zum Schmerzensmann geworden ist? Denn in jedem Schritt, den Jesus vom Garten Gethsemane bis nach Golgatha gegangen ist, siehst Du den Schmerzensmann. Es wurde immer beschwerlicher: vom Ringen mit Gott über Festnahme und Folterung bis zur Hinrichtung am Kreuz. Dein Freund Martin Jan hat das einfühlsam mit einer Melodie unterlegt: In acht Schritten - ohne Taktstriche, nur mit Atempausen dazwischen -lässt er die Melodie vorwärts streben, zunächst nach oben, vom Garten bis zum Galgen. Und von da fällt sie wieder nach unten ab, bis in den Tod. Und daraus soll etwas Gutes wachsen?

Choral: Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet,
was du an unsrer Statt, was du für uns geduldet.
Ach unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan;
O unbeflecktes Lamm, was hast du sonst getan?  

Lieber Adam Thebesius, mit unseren Gedanken und Taten haben wir Jesu Tod verschuldet?! Konnten Deine Gemeindeglieder das verstehen? Ein Mensch, der rund 1600 Jahre vor ihnen lebte, soll ihretwegen gestorben sein? Also, ich kann diesen Gedanken spontan nicht nachfühlen. Ich weiß, er stammt aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Sprecher: Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Erst nach dem Tod dieses Mannes erkennen die, die ihn vorher verachtet haben: Gott hat ihn nicht gestraft. Über ihn werden unsere Nachkommen noch reden, wenn wir längst gestorben sind. Denn in ihm hat Gott sich uns gezeigt, ja noch mehr: in ihm, den wir verlacht, misshandelt und zum Sündenbock gemacht haben, setzt Gott sich für uns ein.

Choral: Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben;
In deinen Banden ist  die Freiheit uns gegeben.
Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,
dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.  

Die mit Jesus lebten, fanden ihn mutig, freundlich und offen, aber zuletzt auch sehr einsam. Später wussten sie: Gott war immer bei ihm, auch als Jesus am Kreuz starb. Und sie glaubten, dass Gott allen Menschen nach dem Tod Leben schenken werde. Das machte sie frei von dem Druck, selbst ihr Leben in den Griff bekommen zu müssen. Das machte sie frei, mit Verachteten und Verlierern zu leben und sich für sie einzusetzen. Adam Thebesius, was hast Du eigentlich gemacht, wenn Gemeindeglieder zu Dir kamen, weil Frau, Mann, Tochter, Sohn, Vater oder Mutter Opfer der Pest oder des bestialischen 30-jährigen Kriegs geworden waren?

Sprecher: O hilf, dass wir auch uns zum Kampf und Leiden wagen. Und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen; Hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron, wenn´s kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn.

Du hast mit ihnen und für sie gebetet. Du hast geglaubt, Gott bleibt bei uns, wenn wir Menschen leiden und auch wenn andere uns auslachen.

Choral: Dein Angst komm uns zugut, wenn wir in Ängsten liegen;
Durch deinen Todeskampf lass uns im Tode siegen;
Durch deine Bande, Herr,  bind uns, wie Dir´s gefällt;
Hilf, dass wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt.

Du hast sogar auch weiter geglaubt, als vier deiner Kinder und deine Frau starben. Jeden Abend hast du mit anderen in deinem Haus gebetet. Wie du brauche auch ich andere, die mit mir glauben, wenn mein Zweifel wächst, die mir Mut machen, Schmerz und Leid zu sehen und zu entscheiden, wogegen ich mich wehren und was ich nur aushalten kann. Durch sie wird für mich das Kreuz zum Lebensbaum.

Choral:  Hilf, dass wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt.  

Anders als du - spüre ich Krieg und Seuchen nicht am eigenen Leib. Doch in den Nachrichten höre und sehe ich: Wie ihr vor 350 Jahren in Liegnitz   so leiden heute viele Menschen in anderen Ländern. Wir sind frei, uns ihnen zuzuwenden mit den Mitteln, die wir haben: Spenden, Gebeten, politischen Aktionen. So halten wir Kreuz und Elend in der Welt wenigstens etwas in Schach. Und werden wir dadurch nicht selbst zu Früchten am Lebensbaum?

Choral: Lass deine Wunden sein  die Heilung unserer Sünden,
lass uns auf deinen Tod,   den Trost im Tode gründen.
O Jesu, lass an uns   durch dein Kreuz, Angst und Pein,
dein Leiden, Kreuz und Angst ja nicht verloren sein.  

Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer aus Meschede über den Choral “ Du großer Schmerzensmann“- Evangelisches Gesangbuch Nummer 87. Es sang das Solistenensemble unter der Leitung von Gerhard Schnitter.

 

Audiobeitrag Du großer Schmerzensmann (eg 87)


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