Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.02.09, Pastor Wolfram Krebs

Ich kann bellen

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Mit mehreren Kölner Kirchen und Gemeinden planen wir in wenigen Wochen eine zentrale Veranstaltungsreihe im Rahmen von ProChrist.

ProChrist ist eine Aktion hauptsächlich evangelischer Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften. Seit 1993 werden von einem zentralen Ort aus Gottesdienste in aberhundert Kirchen und Gemeindesäle per Satellit übertragen. Wir haben ein großes Zelt organisiert und brauchen dafür jede Menge Mitarbeiter: Zeltaufbau, Ordner, Mitarbeiter für die Kinder und für das leibliche Wohl, Nachtwachen und viele mehr.

In einem größeren Gottesdienst lud ich zur Mitarbeit ein. Eine junge Frau meldete sich bei mir. „Ich würde gerne mitarbeiten, ich weiß aber noch nicht, in welchem Bereich“ sagte sie. Ich fragte sie: „Was können Sie denn besonders gut?“ Ihre Antwort: „Ich kann bellen.“ was sie mir auch gleich eindrücklich und lautstark vorführte. „Perfekt, sie passen wunderbar in unsere Nachtwache.“

Als ich das meiner Frau erzählte, war ihre Reaktion: „Is nicht wahr, oder?“ Doch, das ist wahr und diese junge Frau hat sogar etwas Wesentliches erkannt, auch wenn es vielleicht bedeutendere Begabungen geben mag, als täuschend echt bellen zu können. Sie hat nämlich etwas vom Wesen der Gemeinde Jesu Christi erkannt, das vielen nicht oder nicht mehr bewusst ist.

Jeder Christ hat nach dem Neuen Testament eine Begabung, die er für seine Gemeinde und den Bau des Reiches Gottes einsetzen kann. Dabei geht es nicht sosehr um die Größe dieser Begabung oder die Art, sondern um die Treue mit der diese Gabe eingesetzt wird. Eine Gemeinde, die sich da an der Bibel orientiert, ist nicht gegründet auf die besonderen Bemühungen Einzelner, sie ist getragen von den vielfältigen Begabungen vieler Mitglieder. So kann aus vielen kleinen Begabungen etwas wirklich Großes und in der Regel sehr lebendiges entstehen.

Ich weiß natürlich auch, dass das nicht der allgemeinen Erfahrung hier und heute entspricht. Vieles im Leben unserer Gemeinden ist an speziell ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen delegiert, die zum Teil hochbelastet sind. Der Herr Pfarrer, der sich bienenzüchtend oder seine Rosen hegend in Muße ergeht ist längst dem handygeplagten Emailversender gewichen, der Managementseminare in seinem Zeitplaner stehen hat. Und der zwischen stressbedingtem Hörsturz und burn-out pendelt. Und natürlich gibt  es auch Kirchenmitglieder, denen ein gelegentlicher Gottesdienstbesuch als Engagement in der Sache völlig ausreicht.

Erfreulicherweise gibt es aber immer mehr Menschen, die durchaus willig sind, ihr Zeit, ihr Geld und ihre Begabungen in den Dienst einer guten Sache zu stellen. Dass ich persönlich da die Gemeinde Jesu Christi für die allerbeste Sache überhaupt halte, wird Sie nicht überraschen.

Stellen Sie sich doch einmal vor, was aus Ihrer Gemeinde würde, wenn die 5 oder 7000 Mitglieder nicht nur ihren Kirchensteuerbeitrag leisten würden, sondern ebenfalls etwas ihrer Zeit und ihrer Begabungen opfern würden. Dass sich die Sache lohnt, können Ihnen die nicht wenigen bestätigen, die diesen Weg schon gegangen sind, denn es ist im Reiche Gottes so eingerichtet, dass die, die Gutes von Gott her weitergeben auch selbst sehr viel Gutes empfangen. Und zwar Werte, die man mit allem Geld der Welt nicht kaufen kann. Viele kleine Menschen mit vielen kleinen Gaben und Begabungen bauen an Gottes Reich. Das muss kein Traum bleiben, wenn Sie dazu bereit sind, ihre Begabungen mit einzubringen. Auch wenn es nur ein kunstvolles Bellen sein sollte.

Audiobeitrag Ich kann bellen


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen