Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.02.09, Pastor Wolfram Krebs

"De Kölsche Jung"

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.Heute ist Rosenmontag. Das muss man einem Rheinländer wohl nicht besonders mitteilen.

Hier in Köln fiebern die Einheimischen diesem Höhepunkt der 5. Jahreszeit längst entgegen. Einer wie ich, der aus Wuppertal stammt, hat da schon eher seine Probleme mit dem rechten Verständnis vom „Spaß an der Freud“. Da steht mir doch mehr im Wege als nur die protestantische Pflichtethik, die hier selten als Bereicherung und viel häufiger als Spaßbremse erlebt wird. Seit ein paar Monaten bin ich da etwas schlauer geworden, aus einem eigentlich eher unerfreulichen Anlass heraus.

Mich plagten nämlich gleich mehrere Nierensteine auf einmal mit Schmerzen, die schwer zu ertragen waren und die ich im Psalmwort: "Herr, du stachst in meine Nieren und ich war wie ein Tier vor dir“ bestens beschrieben finde. In meinem Krankenzimmer traf ich auf eine echte rheinische Frohnatur. Der lebte sozusagen für den Karneval und zwar mit einer Inbrunst und Hingabe, wie ich sie mir bei manchem Gemeindemitglied auch für seine Gemeinde wünschen würde. In seiner Karnevalsgesellschaft bekleidete er führende Positionen, mit großer Liebe kreierte er Karnevalsorden, von denen nun einer mein Arbeitszimmer schmückt. Er engagierte sich in der Pflege kölschen Brauchtums und besaß dabei einen Humor, der mir sehr wohlgetan hat.

Nun bin ich immer noch meilenweit davon entfernt, ein echter kölscher Jong zu sein und auf Prunk- oder Stunksitzungen werden mich keine 10 Pferde bringen. Aber seine Begeisterung für eine mir fremde Sache hat mir diese Sache doch sehr viel näher gebracht. Und mir wurde wieder einmal deutlich, dass diese Welt ganz anders aussehen könnte, wenn die überzeugten Christen auch ähnlich begeistert und überzeugend von ihrer Sache reden würden, wie dieser Mann von seinem Karneval. Aber Begeisterung wird für gewöhnlich leider nicht mit Gottesdiensten und Christinnen und Christen in Verbindung gebracht.

Das kann an der Sache selbst nicht liegen, denn das Evangelium, die gute Nachricht und Gottes Geist, der diese Botschaft in unseren Herzen lebendig macht, das ist ja nichts anderes als Freude und Begeisterung. Und zwar nicht nur über ein paar tolle Tage, sondern über eine Ewigkeit, die hier und jetzt beginnt und die von Freude und Liebe geprägt ist. Der Kirchenvater Augustinus bringt es auf den Punkt: „Was du entzünden willst, muss in dir selbst brennen.“ Dieses Feuer, das nichts verbrennt, sondern leuchtet, ansteckt und wärmt, das wünsche ich mir für mich selbst und allen anderen, die meine Begeisterung teilen möchten. Brennstoff dafür gibt’s genug. Und nicht nur am Rosenmontag.

Audiobeitrag "De Kölsche Jung"


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