Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.02.09, Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz

Rosenmontag

Musik: Jürgen Becker / Norbert Alich, Ich bin so froh, daß ich nicht evangelisch bin, TRC Record Company 2006, LC 1670.

Musikeinspielung: „Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin…“

Autor: Der Kölner Kabarettist und Karnevalist Jürgen Becker ist so froh, dass er nicht evangelisch ist. Sofern Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, einer christlichen Kirche angehören, haben Sie also zwei Möglichkeiten. Entweder sind Sie evangelisch. Das würde erklären, warum Sie ausgerechnet heute und jetzt um diese Zeit schon auf den Beinen sind und einem völlig humorlosen Arbeitstag entgegensehen. Oder Sie sind katholisch. Dann werden Sie heute im Laufe des Tages den Höhepunkt des diesjährigen Frohsinns erreichen, haben vorgestern und gestern durchgefeiert, liegen demzufolge noch im Bett und können mich gar nicht hören.

Wir sind, liebe Protestantinnen und Protestanten, also unter uns. Und weil kein Unberufener lauscht, können wir uns zwischendurch mal eben schnell eingestehen: Was Jürgen Becker meint, ist so ganz falsch nicht. Es ist was dran, wenn man uns Evangelen immer mal wieder übertriebene Ernsthaftigkeit vorhält. Es stimmt schon, dass man in evangelischen Predigten, Erklärungen und Denkschriften ebenso verzweifelt wie vergeblich auf der Suche nach ein bisschen Lebensfreude ist. Herrjott, jiff us jet ze looche – erst recht, wenn das Leben ohnehin schon ernst genug ist.

Allerdings – wirklich besser sind die anderen auch nicht dran. Mal ehrlich: ein guter, ein überzeugter Katholik wird doch seit ein paar Wochen seines Lebens nicht mehr froh. Der Papst nimmt antisemitische Reaktionäre in Gnaden auf. Wer will denn da noch fröhlich einstimmen: Do simm’r dobei, dat is prima?

Kurzum: lassen wir doch gerade heute am Rosenmontag den janzen Driss mit katholisch-evangelisch sein und freuen uns des Lebens, weil: Et jitt kei größer Leid, als dat wat man sich selver andät. Achtung, für alle angeschlossenen Westfalen: Es gibt kein größeres Leid als das, was man sich selbst antut.

Wie bitte? Sie können mit diesem „sogenannten Humor“ zur Karnevalszeit nichts anfangen? Und vielleicht sind Sie ja, egal ob evangelisch oder katholisch, deshalb jetzt schon unter der Dusche, weil man gar nicht früh genug auf den Beinen sein kann, wenn man dem närrischen Treiben entfliehen will? Na jut. Da kammer nix maache. Weil, et is wiet is: Die einen lachen nur im Keller. Die andern haben nix zu lachen. Und die dritten wollen gar nicht erst. Beim lieben Gott hingegen, so singt man in Köln, „ja, dort oben hoch im Himmel, do is jeden Daach 'n Fest. Dat wess ich von minger Oma, die schon do jewesen is.“

Und deshalb geht’s nachher ab auf den Rosenmontagszug. Vielleicht sehen wir uns da ja. In diesem Sinne: Alaaf. Oder helau. Je nachdem, wo Sie sich grad die Zähne putzen.

Audiobeitrag Rosenmontag


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