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Bildersuche
Da bleibt einem die Sprache weg. Es fehlen einfach die Worte. Ein Ereignis ist zu groß, zu erschreckend, oder zu erfreulich: es verschlägt einem die Sprache.
Es ist so überwältigend anders, man will davon erzählen, aber wie?
Es gab Zeiten, da hat es mir ziemliche Bauchschmerzen bereitet zu sehen, dass in der Bibel so unterschiedlich von Jesus geredet wird. Heute verstehe ich, warum das so ist. Jesus hat mit seinem Leben und Reden buchstäblich alle bisherigen Formate gesprengt. Er war so anders und besonders. Darum suchten die ersten Christen nach Begriffen und Bildern, um wenigstens annäherungsweise das Geheimnis dieser Person zu beschreiben. Man probierte alles Mögliche aus, obwohl man spürte: irgendwo hinkt jedes Bild.
Man nannte ihn "Messias" und "Licht der Welt", er war ihr "König", er war "Retter", er war die "Wahrheit" und das "Brot des Lebens". "Sohn Gottes" nannten sie ihn und meinten doch ganz verschiedenes damit. Man sagte bildhaft: "Das ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde wegträgt." Das erinnerte an eine große jährliche Sühnefeier im Tempel von Jerusalem. Der Priester legte einem Sündenbock symbolisch die Sünde des Volks auf. Dann musste dieser Sündenbock die Sünden in die Wüste wegbringen. Das Tier wurde nicht geschlachtet, es wurde nicht als Opfer getötet, es musste die Sünden wegbringen. Das Bild konnten die Christen gut gebrauchen, denn war Jesus, der Sünden vergab, nicht lebenslang ein Sündenwegbringer?
Natürlich hatten die ersten Christen besondere Probleme damit, dass ihr Herr gekreuzigt worden war. Dieser Tod war eigentlich sinnlos. Aber sie versuchten, mit Bildern und Formeln diesem Tod dann doch einen Sinn zu geben. Sie fanden solche Bilder im Jerusalemer Tempel. Dort wurden Opfertiere getötet und es floss Blut, wie bei der Kreuzigung. So deutete man den Tod Jesu als eine Art Opferung.
Oder man sagte: Gott hat einen neuen Bund mit uns Menschen geschlossen. Aber hier wurde zur Besiegelung dieses Bundes nicht wie traditionell üblich ein Tier geschlachtet, sondern dieser Bund wurde durch den Tod Jesu besiegelt. Wie es im Abendmahl heißt: der Neue Bund in meinem Blut.
Diese Opferbilder aus dem Jerusalemer Tempel drängten sich im Verlauf der Jahrhunderte leider immer stärker in den Vordergrund. Manchmal wurde das ganze Heil, das Jesus gebracht hat, ausgerechnet in seinem Tod am Kreuz komprimiert, wo er als Opfer für unsere Sünden gestorben sein soll.
In den ersten Jahrhunderten nach Christus standen andere Bilder stärker im Vordergrund: Jesus, der gute Hirte, mit dem verlorenen Schaf auf den Schultern.
Oder dieses Bild, das leider wenig aufgegriffen wurde: Jesus, der gute Freund, der bereit ist, sogar sein Leben für seine Freunde einzusetzen. Kein Bild Jesu ist allein richtig. Darum gibt so viele verschiedene. Manche sind besser, manche schlechter. Welches Bild von Jesus will ich am liebsten in meiner Seele tragen, um daraus Kraft und Mut für mein Leben zu holen? Ist es das Bild des am Kreuz sterbenden Jesus? Ich ziehe das Bild des guten Hirten oder des Freundes vor.
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