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Nettigkeiten
Die Deutschen sind zu nett. So stand es letztens in einem Bericht in der Zeitung. Der Autor beklagte sich über die übertriebene Höflichkeit und die Freundlichkeitsfloskeln,
die überall in Deutschland Einzug gehalten hätten. Er hat ja recht. Oder glauben wir das etwa wirklich, wenn die Telefonansage beim Arzt uns recht herzlich für den Anruf dankt, der zu unserem großen Bedauern nicht sofort entgegengenommen werden kann? Oder nehmen wir es der Bahn ab, dass man dort inständig hofft, uns recht bald wieder an Bord des ICE begrüßen zu dürfen? Viele dieser Nettigkeiten, all dieses gelächelte Womit kann ich Ihnen heute helfen? könnte man sich auch sparen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es ja nicht wirklich ernst gemeint. Ob ich oder eben irgendein anderer Mensch den Laden betritt, eine Fahrkarte kauft, bei der Arzthelferin anruft das ist denen doch herzlich egal.
Aber dann war da gestern dieser Busfahrer, der mich doch zum Nachdenken gebracht hat. Mit genervtem Blick hat er mir die Tür geöffnet und auf meine Frage, ob er zum Bahnhof fährt, hat er nicht mehr rausbekommen als ein gemurrtes Ja doch. Zweifellos: der war absolut authentisch muffig. Von übertriebener Höflichkeit oder Nettigkeit keine Spur. Und in dem Moment hab ich mich eben gefragt, ob mir das wirklich besser gefallen sollte.
Sprecherin: Christiane Birgden
Nettigkeiten
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