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Keine Menschenopfer
Die Priester damals waren nicht grausam, obwohl sie Menschenopfer darbrachten, Grausam waren ihre Götter. Die wollten Menschenopfer.
Ein Gott, der ein Menschenopfer möchte, ist grausam. Mein Gott ist so nicht. Er verabscheut Menschenopfer. Das alte Volk der Israeliten hasste Menschenopfer, denn ihr Gott ließ Menschenopfer nicht zu. Mit völligem Unverständnis beobachteten sie, dass anderswo Menschen für Gott geschlachtet wurden. Z. B. als ein Herrscher neue Stadtmauern baute und dazu seinen erstgeborenen Sohn einmauerte. Und dann bei der Neuerrichtung der Stadt-Tore auch noch seinen jüngsten Sohn opferte.
Gottes Empörung klingt aus den Worten des Propheten:
Sprecher: Sie haben den Altar im Tal Ben-Hinnom gebaut, um dort ihre Söhne und Töchter im Feuer zu verbrennen. So was habe ich nie befohlen und ist mir niemals in den Sinn gekommen.
Israels Gott hasste Menschenopfer - ganz im Unterschied zu den Göttern der Nachbarvölker. Kommen Sie mit mir in den antiken Tempel zu Jerusalem. Sehen Sie dort den Besucher, der mit dem Priester spricht? "Warum opfern wir eigentlich nur Tiere", fragt er, "die andern Götter wollen doch auch Menschenopfer?"
Und der Priester? Er macht etwas für Israel ganz Typisches, hält keinen Lehrvortrag, sondern erzählt eine Geschichte, eine alte Sage. Ja, sagt er, damals gab es hier noch keinen Tempel und keinen Altar. Abraham - das ist der, mit dem unser Glaube begann - hörte Gottes Stimme: Abraham! Nimm deinen Sohn, nimm deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und bringe ihn auf dem Berge als Opfer dar. Abraham wusste, dass es Götter gab, die Menschenopfer fordern. Er fügte sich. Und so ging er hierher, auf diesen Berg, wo heute der Tempel steht und die Tiere geopfert werden. Und Abraham kam und baute einen Altar und bereitete das Opferfeuer vor und fesselte seinen Sohn und hob das Messer, um seinen Sohn zu schlachten....
Da erschien ein Engel und fiel ihm in den Arm. Plötzlich ist dort ein Widder, den Abraham statt seines Sohnes opfern sollte und Abraham lernte: unser Gott will keine Grausamkeiten, will keine Menschenopfer. Unser Gott ist so nicht.
Keine Menschenopfer! Das ist auch wie ein politischer Auftrag: Vermeidet alle Opfer, im Verkehr, es gibt Opfer unseres Wirtschaftssystems, die es nicht geben dürfte. Der moderne Begriff "Kollateralschaden" ist ein teuflisches Wort, denn es verniedlicht grausame Menschenopfer.
Aber auch für die Theologie muss es Konsequenzen haben, dass unser Gott Menschenopfer verabscheut. Weil der Gott Israels so entschieden Menschenopfer abgelehnt hat, sollten wir damit aufhören, Jesus als Menschenopfer für unsere Sünden zu deuten.
Gott hat nicht den Tod Jesu gewollt. Gewollt haben das seine Feinde. Jesus hätte vor ihnen fliehen können. Seinen Jünger zuliebe blieb er standhaft bei seiner Botschaft, und bewies, wie ernst er es meinte mit Gottes Liebe und Vergebung. So kann man sagen: er ist "Für uns" gestorben. Aber er ist nicht von Gott als Sühnopfer für unsere Sünden dahingegeben. Das ist nur ein Bild unter vielen anderen Bildern für Jesu Tod, aber es hinkt besonders stark, es hinkt nicht nur auf einem Bein, sondern es hinkt auf beiden Beinen.Weg mit dem Bild! Kein Menschenopfer bitte! Unser Gott ist nicht so.
Keine Menschenopfer
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