Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.02.09, Antje Borchers

Herausgeholt aus einem dunklem Loch

Ich kenne Zeiten, da denke ich: Das stehe ich nicht durch. Zum Beispiel, als meine große Liebe nichts von mir wissen wollte. Ich fiel in ein kaltes dunkles Loch.

Das Leben ging an mir vorbei. In solchen Zeiten wünsche ich mir ein Wunder, dass mich eine Stimme erreicht und ins Leben zurück ruft. – So wie damals den  Mann, Lazarus, der in eine schwere Krise geraten war. Seine Schwestern und er merkten, es geht um Leben und Tod, und der Einzige, der noch helfen könnte, ist unser Freund, Jesus. – Dachten sie. Aber…, so wird in der Bibel erzählt:

„Aber als Jesus endlich bei den Geschwistern eintraf, lag Lazarus schon vier Tage im Grab. Martha, die eine Schwester, sagte traurig zu Jesus: ‚Wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben. Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir alles geben wird, worum du ihn bittest.’ ‚Dein Bruder wird wieder leben!’ versicherte ihr Jesus. ‚Ja, ich weiߒ, sagte Martha, ‚am letzten Tag, am Tag der Auferstehung.’

Jesus erwiderte: ‚Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben.’ Martha antwortete: ‚Ja, Herr, ich glaube dir.’

Dann wollte Jesus das Grab von Lazarus sehen. Es war mit einem großen Stein verschlossen. Martha sagte: ‚Lass, Jesus, er stinkt schon.’ Jesus weinte, auch er hatte Lazarus geliebt. Jesus befahl den Leuten, die am Grab standen: ‚Hebt den Stein weg!’ Er sah zum Himmel auf und betete zu Gott: ‚Vater, ich danke dir, dass du mein Gebet erhört hast.’ Dann rief er in das dunkle Loch hinein: ‚Lazarus, komm heraus!’ Und Lazarus kam. Zurück ins Leben“ (Johannes 11, Verse 17 – 45).

Eine unfassbare Geschichte. Lazarus in seinem Todesloch hat die Stimme gehört, die ihn rausgerufen hat. Und: Er hat ihr geglaubt! Aber kann ein Mensch das wirklich: Tote wieder zum Leben erwecken? Sogar heutzutage gibt es Berichte von Menschen, die andere Menschen aus dem Tod zurückgeholt haben. – Ja, aber die waren eben noch nicht wirklich tot, nur nah dran, sagt die Forschung und nennt diese Erlebnisse Nahtoderlebnisse.

Lazarus war nicht nah dran am Tod, er lag schon vier Tage im Grab. Darum: Lass es, Jesus! Er stinkt schon! – Jesus lässt nicht. Kann ein Mensch das? Lazarus hat diese Frage für sich beantwortet: Er hat Jesus und dessen Macht vertraut und kam zurück ins Leben. Alle waren vermutlich nur glücklich. Und dann kam der große Schrecken: Wer ist Jesus wirklich? Was bedeutet das hier alles? Jesus sagt es selbst: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, selbst wenn er stirbt« (Johannes 11, Vers 25).

Jesus hat zu seinen Lebzeiten nur drei Menschen wieder ins Leben zurückgeholt. Wahrscheinlich hätte er die Macht gehabt, allen das Sterben zu ersparen. Aber er wollte – offensichtlich – die Gesetze der Natur nicht aushebeln. Jesus wollte zeigen: Der Tod hat keine Macht gegen mich. Jeder kleine Tod im Alltag nicht. Und vor allem der letzte Tod nicht. Darum vertraue mir, wenn ich rufe: Komm raus aus deinem dunklen Loch! Lebe!

Audiobeitrag Herausgeholt aus einem dunklem Loch


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