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Personenschaden
Ich sitze im ICE von Berlin nach Köln. Es ist schon ziemlich spät, die letzte Verbindung an diesem Tag. Im Wagen herrscht träge Ruhe, die Leute wollen nach Hause.
Zum Glück sind wir gleich schon in Duisburg, nur noch eine knappe Stunde...
Plötzlich bremst der Zug ziemlich heftig runter. Alles ruckelt und vibriert, Flaschen fallen um, dann: Stillstand. Och nöö ... sagt einer. Ansonsten passiert erst mal gar nichts.
Nach einer Weile ein Knacken im Lautsprecher, der Zugchef meldet sich. Etwas atemlos berichtet er, wir hätten einen Personenschaden. Die Weiterfahrt würde sich dadurch um unbestimmte Zeit verzögern.
Personenschaden ist Bahndeutsch und heißt übersetzt: Jemand hat sich vor den Zug geworfen. Ich weiß nicht, wer dieser Mensch war und warum er es getan hat. Aber ich weiß, dass er jetzt mit ziemlicher Sicherheit tot ist. Gestorben zwischen Essen und Duisburg, an einem Samstagabend kurz vor Mitternacht.
Meine Mitreisenden schräg gegenüber scheint das nicht zu beeindrucken. Boah, kann der sich nicht wann anders umbringen?, motzt der eine. Is doch gut, wenigstens ein Arbeitsloser weniger, meint der andere. Beide lachen dreckig.
Soviel Kaltschnäuzigkeit regt mich auf. Klar: die Verspätung ist blöd, wir alle wollen ins Bett. Aber jeder Mensch hat eine Würde. Und zwar auch dann noch, wenn sich seinetwegen ein Zug verspätet.
Sprecherin: Christiane Birgden
Personenschaden
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