Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.02.09, Pfarrer Burkhard Müller

"Gott vergibt, Django nie"

"Gott vergibt, Django nie!" Der Film mit diesem Titel ist fast vergessen, aber das Problem ist immer noch da. Django, der Westernheld, vergibt nicht.

Der Django in uns will auch nicht vergeben. Wenn die Django-Seele so richtig tief gekränkt und gedemütigt ist, wenn sie randvoll ist mit Wut und Rachegelüsten, wie kann sie da vergeben? Man quält sich ab mit dieser Wut. Die Seele verkrampft, spielt vielleicht trotzdem den Kraftmeier und ist eigentlich todmüde. Wenn man doch aufhören könnte, dem anderen die Kränkung nachzutragen! Wer vergibt, erleichtert sich selbst. Darum ist es gut, wenn wir vergeben lernen.

Vergeben können ist kein Kinderspiel, Django kann es nicht.

Django, lerne vergeben wie Gott vergibt! Django, es ist auch für dich gut zu glauben, dass Gott vergibt. Wir alle sind wahrlich keine Engel, die in Gottes Nähe passen. Und wir spüren zu Recht, dass unsere Lebensweise oft nicht mit Gottes Vorstellungen übereinstimmt. Unsere ständige Versuchung, dem Gott des Egoismus oder dem Gott des Geldes, der Gewalt und Stärke zu dienen, ist in seinen Augen schlimm. Aber Gott will vergeben, damit wir uns endlich in seine Nähe trauen, Lebenskraft und Freude bei ihm holen. Diese Vergebung, Django, würde auch dich verändern. Und zwar zum Bessern.

Ich habe erhebliche Zweifel, dass Django im Wilden Westen je zu Füßen eines Predigers gesessen hat. Da hätte er wohl gehört, was seit Jahrhunderten in allen Kirchen und  auch bei uns gepredigt wurde: Dass wir Sünder seien und Jesus für unsere Sünden sein Leben am Kreuz geopfert hat, um Gott zu versöhnen.

Wenn in zwei Wochen die Passionszeit Christi beginnt und wir in der Kirche über Jesu Leidensweg nachdenken, wird sicherlich hier und da wiederholt werden: Jesus starb, um uns die Sünden zu vergeben. Bei mir würden Sie das allerdings nicht hören. Denn ich glaube das nicht. Ich glaube an die Vergebung der Sünden, aber ich glaube nicht, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist.

Gott hatte seinem Volk Israel schon Hunderte von Jahren, bevor Jesus in diesem Volk geboren wurde, gesagt: Gott ist der, der dir alle deine Sünde vergibt. Das klingt fast wie eine  Definition Gottes. Er hat damals nicht gesagt: Leider müsst ihr noch ein paar Jahrhunderte warten, bis Jesus zur Vergebung der Sünden am Kreuz gestorben ist.

Auch Jesus hat immer wieder Menschen zugesagt: Dir sind deine Sünden vergeben. Und das ohne hinzuzufügen: Aber warte ab: erst muss ich noch am Kreuz sterben. Weil Jesus Sünden vergab, haben die Verantwortlichen in Religion und Staat ihn als Gotteslästerer eingestuft. Nur Gott kann vergeben! Dieser Gotteslästerer ist gefährlich und muss weg, meinten die Verantwortlichen.

Jesus starb also nicht, um uns die Sünden vergeben zu können. Eher umgekehrt wird ein Schuh daraus: sie haben ihn unter anderem deshalb getötet, weil er Sünden vergab. Wenn wir beten "Vergib uns unsere Schuld", sollten wir nicht den am Kreuz leidenden Jesus vor Augen haben, sondern die große Liebe Gottes, so wie Jesus sie uns in Wort und Tat anschaulich vor Augen geführt hat.

Audiobeitrag "Gott vergibt, Django nie"


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