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Hauptsache anders
Er hat fünf Ringe durch die Nase, ein Zungenpiercing, den halben Kopf kahlrasiert und den Rest voll mit bunt gefärbten Haarsträhnen.
Der Typ steht in der S-Bahn, lehnt sich lässig an eine Haltestange und unterhält sich mit einem Mädchen, das ganz ähnlich aussieht. Beide sind so um die 16 und beide genießen es ein bisschen aufzufallen. Publikum haben sie genug. Die Bahn ist voll am Nachmittag. Viele der anderen Fahrgäste schauen immer mal wieder verstohlen zu den beiden hin. Die reden ein bisschen lauter als notwendig, trinken demonstrativ aus der Bierflasche und spielen mit ihren Piercings. Ein bisschen provozieren wollen sie. Dadurch wie sie aussehen und was sie tun. Dadurch, dass sie anders sind. Vor allem dadurch, dass sie anders sind und nicht so spießig wie wir sonst alle: Die Omis mit ihren Einkaufstüten, die Beamten mit der sorgfältig gefalteten Zeitung unterm Arm, die Muttis mit ihrem praktischen Einheitslook. Hauptsache anders.
Sein Handy klingelt: Mann, was geht? meldet er sich. Auf einmal spricht er ganz normal. Nach ner Weile nimmt er dann das Handy vom Ohr, rollt ein bisschen mit den Augen und sagt ganz brav zu seiner Freundin hin: Schönen Gruß von meiner Mama. Oh, danke., antwortet die ganz artig und lächelt lieb, Schönen Gruß zurück.
Hauptsache anders zumindest solange bis Mama anruft.
Sprecherin: Christiane Birgden
Hauptsache anders
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