Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.01.09, Pfarrer Ernst-August Pohl

Was ist dran?

Eine Weisheit der Dakota Indianer besagt: „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab!“ Ist doch klar, was sollte man denn schon anderes tun,

wenn man merkt, dass man auf einem toten Pferd reitet. Allerdings, so einfach scheint das dann doch nicht zu sein. Etwas zu akzeptieren, was doch unabänderlich ist. Eine Situation zu beenden, die unhaltbar geworden ist. Aber was tun wir? Wir investieren eine Unmenge von Kraft, Energie und Fantasie, nur um uns vor der Erkenntnis zu drücken, dass das Pferd tot ist, dass es uns nirgendwo mehr hinbringen wird, dass es unter uns zusammenbrechen wird. Diese Gedanken beschäftigen uns so, dass wir die einzig gute Möglichkeit, nämlich vom Pferd abzusteigen, gar nicht in den Blick bekommen.

Dazu gehört auch wirklich Mut, zu sagen: jetzt ist es genug. Zum Beispiel: Kein Produkt mehr zu verkaufen, das niemand mehr braucht. Zum Beispiel: keine Autos mit mehr als 70 PS, weil wir doch die meiste Zeit nur in den geschlossenen Ortschaften fahren. Oder: Keine Beziehung mehr zu pflegen, die nur noch als Pflichtübung gelebt wird, in der beide über nichts anderes mehr sprechen als über die Planung der nächsten Woche. Keine Firma weiterzuführen, nur weil man sie von den Eltern geerbt hat, von der man immer weniger weiß, ob sie überhaupt noch genug zum Leben abwirft. Loslassen, was keine Zukunft mehr hat, ist schwer. Sind wir doch als Kinder auf das Festhalten und Ergreifen getrimmt. Auf das Durchhalten von Durststrecken, auf Ausdauer. Aber auch das Festhalten hat seinen Preis. Klar, was man hat, das kennt man. Was man bekommt, das weiß man nicht. Doch mit dem, was man hat, kommt nicht mehr weiter, man ahnt das. Das Pferd, das man jahrelang geritten hat, ist tot, unterwegs gestorben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es endgültig zusammenbricht.

Schaffen wir es in unserem Land, mit der Finanzkrise umzugehen? Schaffen wir es, durch dieses Jahr zu kommen, von dem die Bundeskanzlerin angekündigt hat, es würde ein Jahr der schlechten Nachrichten? Ich finde, das hängt im Wesentlichen davon ab, dass wir entdecken, wo wir auf toten Pferde reiten. Und absteigen. Brauchen wir das wirklich alles, was wir haben? Computer mit Programmen, von denen der einzelne Anwender höchstens 20 Prozent der Möglichkeiten nutzt. Autos, in denen Kabelbäume mit einer Länge von 40 Kilometern für das Funktionieren von allerlei Be¬quemlichkeiten sorgen. Elektronische Terminkalender, in die man schon heute sein Pensionierungsdatum in 15 Jahren eintragen kann. Brauchen wir das alles wirklich? Und: Gibt es nicht noch eine andere Währung, mit der wir bezahlen können als mit Euro oder Dollar. Nachbarschaftshilfe, Tauschen oder Vertrauen zum Beispiel.

Von einem toten Pferd absteigen, das heißt in der Botschaft Jesu. Kehrt um! Kehrt um auf Wegen, die am Ende horizontlos sind. Jesus traut uns das zu, von toten Pferden abzusteigen, obwohl er weiß, dass dazu Mut gehört. Er ruft uns das deshalb zu, weil er weiß, dass ein Ritt auf toten Pferden, ein Leben ohne Umkehr leer ist und dass ein Leben mit dem Mut zur Umkehr in der Tiefe ein reiches Leben ist.

„Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab!“

Audiobeitrag Was ist dran?


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen