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Obszönes Stillen
Vermutlich schießt niemand so viele Fotos wie frisch gebackene Eltern. So einen kleinen Menschen durch seine ersten Lebenswochen zu begleiten,
ist ja auch eine aufregende Sache. Da will alles wohl dokumentiert sein.
Das dachten sich auch einige junge Mütter, die bei Facebook und MySpace registriert sind. Und stellten auf ihren Seiten auch ein paar Fotos aus, auf denen sie ihre Kinder stillen. Bloß: Nach einer Weile waren diese Bilder plötzlich verschwunden, einfach gelöscht.
Auf Nachfrage teilten die Seitenbetreiber mit, das Veröffentlichen von Fotos mit "obszönen, pornografischen oder sexuell eindeutigen Inhalten sei bei ihnen nicht erlaubt. Andere Nutzer hätten sich beschwert, deshalb wären die Still-Bilder entfernt worden.
Das ist nun wirklich lustig. Von der Unterwäsche-Werbung an der Bushaltestelle bis zu den Porno-Seiten im Netz sexuell eindeutige Inhalte kriege ich nun wirklich an jeder Ecke geboten. Aber das Ernähren eines Säuglings ist obszön und darf nicht gezeigt werden. Merkwürdige Maßstäbe sind das.
Die evangelische Kirche hier im Rheinland sieht das anders. Wenn eine Mutter im Gottesdienst ihr Kind stille, sei das völlig in Ordnung, heißt es da. Warum auch nicht: Stillen ist so ziemlich die natürlichste Sache der Welt. Bevor ich mich darüber beschwere, fallen mir jedenfalls eine Menge anderer Sachen ein.
Sprecherin: Christiane Birgden
Obszönes Stillen
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