Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.01.09, Pfarrer Jönk Schnitzius

Erwartungen

Angefangen hat es schon. Das neue Jahr 2009. Das, was so schlimm werden soll.Überall war es zu lesen, zu hören, zu sehen: 2009 wird anders – und zwar bitter.

Von schicksalshaft bis denkwürdig reichten die Titulierungen. Jetzt erst werde sich die große Finanzkrise, die Kapitulation der Wall Street vom 15. September vergangenen Jahres, das Platzen der Finanzblase, in Gänze bei uns auswirken. Jetzt erst werde es so richtig schlimm. Jetzt werde die Katastrophe für die Meisten wirklich spürbar. Das verunsichert und – macht Angst. Die Werbung hat das verstanden. So spricht eine der führenden Werbeagenturen davon, dass „ das Thema Angst jetzt zieht.“ Keine Frage, eine Krise wie die Jetzige gab es so noch nicht. Dass neben dem Kollaps der Finanzmärkte zugleich die reale Wirtschaft einbricht, ist neu – und dramatisch. Dass dies kein lokal begrenztes Problem ist, sondern die Welt global trifft, Amerika, wie Europa und Asien, macht die Lage nicht einfacher. Angst und Orientierungslosigkeit machen sich breit. Gute Zeiten für schlechte Aussichten also. Und die haben Konjunktur.

Die Alternative kann nun nicht im Vogel Strauss Prinzip liegen: den Kopf in den Sand stecken und den Sturm vorüberziehen lassen. Wer die Augen vor der Wirklichkeit verschließt, muß sich nicht wundern, wenn er nicht mehr durchblickt. Nur – wohin schauen wir in diesen Zeiten? Mit etwas Mut zur Ehrlichkeit kann ich doch sagen: zumeist auf die eigene Angst bzw. auf das, was die Angst verhindern soll. Nur ist Angst  - in der Regel – ein schlechter Ratgeber. Und sie bindet. Wie gefesselt klebt man an dem, was sein könnte, natürlich negativ sein könnte. Mit welchem Recht eigentlich? Warum erwarte ich nicht – in schwieriger Lage – dass es wieder besser wird, vielleicht sogar richtig gut?

Warum sollen die führenden Wirtschaftsnationen aus der jetzigen Krise nicht lernen können? Veränderung ist nicht tödlich. Stillstand schon. Veränderung macht Angst. Stillstand macht sie größer. Ich bin Christ und glaube, dass das Leben stärker ist als der Tod. Dass das Ende ein Ende auf Zeit ist.

Das heißt jetzt allerdings nicht: alles nicht so schlimm: der Himmel wartet. Der wartet zwar wirklich, schlimm kann es jedoch dennoch sein. Nur – glaube ich, dass die Welt aus ihren Krisen lernt – und dass ich meine Angst überleben kann. Sicherlich: Wenn mir die Liebe ausgeht, wenn meine Gesundheit bedroht ist, wenn mein Arbeitsplatz auf der Streichliste steht, dann ist es so wie es immer war: Angst macht sich breit. Doch - das ist nicht alles. Hebe ich den Kopf aus dem Sand der Angst höre ich, dass Jesus sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Nicht alles wird gut. Aber die Sonne wird wieder aufgehen. Auch 2009.

 

Audiobeitrag Erwartungen


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