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Abrahamsfest in Marl Integration auf den Spuren Abrahams
Autorin: Manchmal scheint es, als wären die Religionen nicht von Gott beseelt, sondern von einer tödlichen Rechthaberei:
Überfälle auf Kirchen in Indien, Kämpfe zwischen Moslems und Christen in Nigeria, Anschläge auf Synagogen weltweit, und auch in Köln gibt es Streit wegen eines Moschee-Neubaus. Dabei haben Christen, Juden und Moslems etliche Gemeinsamkeiten: alle drei beten nur zu einem Gott und sie berufen sich auf Abraham als Stammvater. In Marl haben Gläubige aller drei Religionen deshalb das Abrahamsfest gegründet, mit viel Begegnung:
O-Ton, Jugendliche: Ich bin selber unreligiös, komplett, aber ich finds gut, dass so was gemacht wird, kann nur förderlich sein. Ich find das auf jeden Fall sinnvoll, weil sich die ganzen Religionen untereinander ja immer bekriegt haben und das immer noch tun. Und ich find, es ist kein Grund irgendwie einen Krieg anzuzetteln oder Attentate oder sonstigen Mist zu machen, nur wegen Glaubensrichtungen. Deshalb finde ich das eine sehr gute Idee, das zusammen zu schließen.
Autorin: Zum Beispiel mit einer Jugendkarawane, bei der sich Mario und Matthias in einem Städtischen Jugendzentrum getroffen haben. Anschließend gehts mit vielen anderen weiter zu den Szenetreffs, an denen die Jugendcliquen sonst eher getrennt ihre Abende verbringen.
Diesmal jedoch gemeinsam, mit selbst gebackenen Leckerein, mit Chips und Gummibärchen. Viele Erwachsene sind dabei, und ein paar Feuerschlucker aus Münster, die sogar die Kälte vertreiben:
O- Ton: Open Air Vorführung Feuerschlucker
O-Ton: Immer wenn bei uns Konfirmandenunterricht war, waren viele muslimische Jugendliche mit auf dem Kirchplatz und haben geguckt, was passiert da? Umgekehrt war es so, wenn Koranunterricht in der Moschee war, dann hingen sozusagen christliche Jugendliche am Zaun und haben überlegt, was machen die da jetzt wohl? Und deshalb die gegenseitigen Einladungen in die jeweiligen religiösen Unterweisungen der Gemeinde. Jetzt wissen sie, was ihre Schulkameraden in der Zeit machen.
Autorin: Eigentlich ganz einfach, jedenfalls wenn Menschen wie Pfarrerin Ulla August mit von der Partie sind, und all die anderen Engagierten der Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft Marl. Sie übersetzen den interreligiösen Dialog ins Alltagsleben. Mit dem Abrahamsfest etwa, bundesweit einmalig, das gerade zum 8. Mal stattgefunden hat: ein zweimonatiger Veranstaltungszyklus mit Programmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wie Gründervater Hartmut Dreier erzählt:
O-Ton: Das ist überall angekommen, diese Idee, wie wir arbeiten, interreligiös, interkulturell und gemeinwesenorientiert, hier in Marl und auch darüber hinaus. In Marl sagen alle politischen Fraktionen: Das ist wichtig, dass es euch gibt, obwohl - wir haben uns selbst erfunden vor 25 Jahren - eine richtige Bürgerinitiative, aber wir sind ein Politikum, nicht mehr wegzudenken, und wir sind natürlich froh darüber und der Stadt tuts auch gut, das Klima ist relativ friedlich.
Autorin: Im interreligiösen Gespräch entdecken Christen hier die tiefere Bedeutung ihres eigenen Glaubens - Jesus als Friedenstifter und Abraham als gemeinsamer Bezugspunkt der Religionen. Trotz aller Unterschiedlichkeit: Auf den Spuren Abrahams ist Frieden möglich. Nicht nur in Marl.
O-Ton, Religionspädagogin Beyza Bilgin: Abraham war nicht ein Christ, nicht ein Jude, nicht ein Muslim, sagen wir im heutigen Islam, sondern er war ein Gott liebender Mensch. Deswegen ist er für uns wichtig, dann können wir unter uns gegeneinander wie Abraham liebevolle Menschen sein. Hoffe ich!
Informationen: www.abrahamsfest-marl.de
Abrahamsfest in Marl Integration auf den Spuren Abrahams
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