Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.01.09, Bettina von Clausewitz

Ruhr.2010 – Kulturhauptstadtjahr als Chance für die Kirchen

Autorin: Knapp ein Jahr noch, dann soll eine Vision Wirklichkeit werden, die das bisher als eher unscheinbar geltende Ruhrgebiet zur strahlenden Metropole Ruhr macht:

Ab Januar 2010 ist das Revier zwölf Monate lang Kulturhauptstadt Europas. Die Planungen laufen auf Hochtouren, und die Kirchen der Region mischen kräftig mit. Aus gutem Grund, wie der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, am Rande einer Veranstaltung meint.    

O- Ton: Das ist die ganz große Möglichkeit, sich in einen Prozess mit hineinzubegeben und ihn mit zu gestalten, der für diese Region von elementarer Bedeutung ist. Da gehört einfach Kirche rein, Kirche war schon immer hier, Kirche hat diese Region wesentlich mit geprägt ...           

Autorin: ... unübersehbar, wie das neu gegründete Evangelische Kulturbüro in Essen festgestellt hat: Neben den 270 Fördertürmen, die mit gelben Ballons versehen werden sollen, gibt es etwa 1.250 Kirchtürme im Ruhrgebiet.  Diese optische Präsenz jetzt mit neuen Angeboten zu versehen, Kirchen als Kulturträger, aber auch als religiöse Orte und spirituelle Kraftquellen, daran arbeitet auch Pfarrer Andreas Volke vom Ev. Kulturbüro. Die Planung reicht von der ökumenischen Orgellandschaft Ruhr über ein Gefängnisprojekt bis hin zu Pilgerwegen entlang der Emscher.        

O-Ton: Dass aktiv von Duisburg bis Dortmund in den Feldern Kirchenmusik, Kirchentourismus, Kirche und Theater, Tanz, Film - oder Pilgerwege von Duisburg nach Dortmund -  dass solche Dinge in Gang kommen, ist auch für die Kirche selbst Neuland. 
         
Musik: Wolf Codera: „Codera goes Choral“, Track 1, „Großer Gott wir loben dich“ – Sopransaxophon, CD: LC 11724 Creative Kirche im Lutherverlag, 2003.  
      
O-Ton:
Ich glaube, dass ein hohes spirituelles Potenzial dadurch da ist, dass Millionen von Menschen über hunderte von Jahren Dinge gemacht haben, oder gesungen haben, die sich offensichtlich in den Kirchenmauern eingenistet haben. Ich hab’ das Gefühl, wenn ich die Melodie spiele, völlig unbegleitet, dass es tausendfach zurückkommt.     

Autorin: Wolf Codera und seine Interpretation des alten Liedes „Großer Gott wir loben dich“. Er ist einer der regionalen Künstler, die im Internetportal des Ev. Kulturbüros als Kulturpartner aufgeführt sind.  Kulturhauptstadt und Kirche, das ist für viele Christinnen und Christen auch eine Chance, religiöse Fragen neu ins Gespräch zu bringen. Für die Heilpraktikerin und gebürtige Koreanerin Veronica Chang-Scheidgen etwa, die gerade ehrenamtlich an einer Ausbildung des Bistums Essen zur  Kirchenführerin teilgenommen hat:       

O-Ton: Ich bin gläubig und ich gehöre zu einer katholischen Gemeinde, und die Kirchenführer, ich hab’ gedacht, das ist schön. Für mich ist das nicht nur Architektur, für mich ist das auch ein Zeugnis geben als Glaubender.   
       
Autorin: Kirchtürme und Fördertürme prägen gemeinsam das Ruhrgebiet: 1000 Jahre Kirchengeschichte neben 150 Jahre alten Industriedenkmälern. In den Zechen wird kaum noch gearbeitet. In den Kirchen jedoch wird noch immer gebetet, gesungen und Gott als Begleiter im Alltagsleben erfahren. Kunst und Kultur erzählen von ihm, und er lässt sich finden. So ist das Kulturhauptstadtjahr eine Chance, auch die vielen spirituellen Schätze zu heben, die hier verborgen liegen. Gott ist keine Kunstfigur. Er ist bei uns. Mitten im Leben.         

Weitere Infos im Internet: www.evangelisch2010.de

Audiobeitrag Ruhr.2010 – Kulturhauptstadtjahr als Chance für die Kirchen


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