Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.01.09, Pfarrer Ulrich Haag (Choralandacht)

Du höchstes Licht, Du ewger Schein (eg 441)

Choral: ’’Du höchstes Licht, ewiger Schein, du Gott und treuer Herr mein, von dir der Gnaden Glanz ausgeht und leuchtet schön so früh als spät.

Autor: Die Tage werden wieder länger. Mitte Januar ist es deutlich zu spüren, um kurz vor acht ist es schon wieder hell. Das Licht kehrt zurück. Epiphaniaszeit heißt diese Zeit im Kirchenjahr, Zeit der Erscheinung. In ihr erinnert die Kirche an Jesu Erscheinen in der Welt, der wie ein strahlendes Licht in die Finsternis der Welt hereinbrach. So umschreibt es auch der Evangelist Johannes „Das Licht scheint in der Finsternis“. Und unzählige Lieder im Evangelischen Gesangbuch besingen Jesus als den Stern, den göttlichen Glanz, die Gnadensonne, die Herz und Verstand der Menschen erleuchtet.

Choral: Das ist der Herre Jesus Christ, der ja die göttlich Wahrheit ist, mit seiner Lehr hell scheint und leucht, bis er die Herzen zu sich zeucht. Er ist der ganzen Welten Licht, stellt jedem vor sein Angesicht den hellen schönen lichten Tag, an dem er selig werden mag.

Autor: Du höchstes Licht, ewiger Schein – in dieser gesungenen Version stimmen weder Text noch Melodie des Chorals mit dem Gesangbuch überein. Der vom Chor gesungene Text bewart eine ältere Fassung, die für das Evangelische Gesangbuch modernisiert wurde. Die Melodie ist vom Lied All Morgen ist ganz frisch und neu geliehen. Es ist ebenfalls ein Morgenlied,  stammt vom gleichen Verfasser, dem Pfarrer und Reformator Johannes Zwick. Es hat die gleiche Strophenlänge und das gleiche Versmaß und besingt ebenfalls das göttliche Licht. Unser heutiges Lied Du höchstes Licht ewiger Schein ist der weniger bekannte Zwilling der beiden, wohl weil sich seine ursprüngliche Melodie so widerspenstig singt. In der Gemeinde erklingt sie selten und es fand sich keine Choraufnahme, mit der ich sie in dieser Andacht hätte zu Gehör bringen können. Dafür hat sich in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ein zeitgenössischer Komponist des Textes angenommen. Er hat ihn mit einer Musik verbunden, die daran erinnert, dass es sich ursprünglich um einen mittelalterlichen Hymnus handelt.

Choral: Er ist der ganzen Welten Licht, stellt jedem vor sein Angesicht den hellen schönen lichten Tag, an dem er selig werden mag. Die Werk der Finsternis sind grob und dienen nicht zu deinem Lob; die Werk des Lichtes scheinen klar, dein Ehr sie machen offenbar.

Autor: Der Dichter, Johannes Zwick, wurde nur wenige Jahre später als Martin Luther in Kostanz geboren. Als er mit der Schule begann, war die katholische Kirche noch  die unumstrittene geistige Herrscherin Europas. Seine Familie schickt Johannes Zwick zum Studium nach Freiburg und dann in das italienische Bologna. Hier kommt er mit dem Humanismus in Berührung, einer geistigen Richtung, für die die Dogmen der Kirche nicht mehr allein ausschlaggebend waren. Die Schriften der antiken Philosophen spielten eine ebenso gewichtige Rolle. Das fest gefügte Weltbild, das die Kirche den Menschen bisher angeboten hatte, brachte diese neue Art des Denkens ins Wanken.

Zugleich vertrauten die Vordenker des Humanismus fest darauf, dass Christus selbst den Glauben seiner Kirche gerade dort stärken würde, wo die alten Bekenntnisse nicht nur auswendig gelernt und nachgebetet, sondern nachgedacht und verstanden wurden. Wir Menschen sind wie Blindgeborene, verdunkelt ist unser Verstand. Nur wenn wir unbeirrbar nach wahrer Erkenntnis streben, kann Jesus in uns lebendig werden, geben wir ihm die Möglichkeit, unseren Geist mit seiner Gnade und seiner Wahrheit zu erleuchten.

Sprecherin: Den Tag, Herr, deines lieben Sohns laß stetig leuchten über uns, damit, die wir geboren blind, doch werden noch des Tages Kind’und wandeln, wie’s dem wohl ansteht, in dessen Herzen hell aufgeht der Tag des Heils, die Gnadenzeit, da fern ist alle Dunkelheit.     

Autor: Ein Kind des Lichts soll ich werden, mein Leben führen, als würde ich mich bereits im Licht der Versöhnung bewegen – das ist das Ideal, für das Johannes Zwick einsteht. Als er im Jahre 1521 aus Italien zurückkehrt, hat die Reformation ihren Lauf genommen. Nur ein knappes Jahr hält es Zwick als Professor in Basel aus. Dann zieht es ihn in die Gemeinde. Er weiß sich der Bildung der einfachen Leute verpflichtet. Das Schulwesen und die religiöse Erziehung liegen ihm besonders am Herzen.

Und der Gemeindegesang. In den Wirren der Reformation stellt er ein Nüw Gsangbüchle mit Gemeindeliedern seiner Mitstreiter zusammen. Bemerkenswert ist die ökumenische Weite, mit der er in seinem Gesangbuch auch Autoren zu Wort kommen lässt, deren Glaubensrichtung er nicht teilt. Er ist überzeugt davon, dass das Licht Christi nicht nur in der eigenen Erkenntnis leuchtet. In jeder aufrichtig vertretenen und mutig gelebten Überzeugung rechnet Johannes Zwick mit einem Funken der Wahrheit Gottes, und er ist stets bereit, sich auf die Suche danach zu begeben.

Choral: Zuletzt hilf uns zur heilgen  Stadt, die weder Nacht noch Tage hat, da du, Gott, leuchtst voll Herrlichkeit, du schönstes Licht in Ewigkeit. O Sonn der Gnad ohn’ Niedergang, nimm von uns diesen Morgensang, auf dass erklinge diese Weis’ zum Guten uns und dir zum Preis.

Autor: Anfang der 1540er Jahre wütet in Süddeutschland die Pest. Auch zwei Pfarrer aus dem nahe gelegenen Bischofszell fallen ihr zum Opfer. Johannes Zwick muss sich der Gefahr bewußt gewesen sein, doch er will die Gemeinde nicht ohne Beistand lassen. Als man ihn darum bittet, hilft er als Pfarrer aus. Doch auch ihn verschont die Pest nicht. Er stirbt im Herbst 1542.

Sonn ohne Niedergang. Licht ohne Finsternis, Glanz ohne Schatten – so besingt Johannes Zwick die jenseitige Welt. Die Aussicht, dort einmal anzukommen, hat ihm Mut gegeben, bis zuletzt für seinen Glauben einzutreten.

Und zugleich den Glauben seines Gegenübers zu achten. Bis heute stiften seine Lieder Ökumene. Sie stehen im katholischen Gotteslob und im Evangelischen Gesangbuch und werden in beiden Schwesterkirchen gerne gesungen.

Choral: Du höchstes Licht, ewiger Schein, du Gott und treuer Herr mein, von dir der Gnaden Glanz ausgeht und leuchtet schön so früh als spät.

Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Ulrich Haag aus Aachen über den Choral “Du höchstes Licht, du ewger Schein“- Evangelisches Gesangbuch Nummer 441. Es sang die Kantorei Barmen-Germarke unter der Leitung von Helmut Kalhöfer.

Audiobeitrag Du höchstes Licht, Du ewger Schein (eg 441)


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