Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.01.09, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Heute

Gehören Sie auch zu denen, die ihre guten Vorsätze zur Jahreswende schon wieder verworfen haben?

Die schon zum schätzungsweise 23. Mal in ihrem Leben das Rauchen wieder angefangen haben? Die immer noch nicht entspannter und gelassener zur Arbeit fahren, obwohl sie sich das fest vorgenommen haben? Die schon von ihrem Partner oder Freunden erinnert worden sind: „Du wolltest doch eigentlich in diesem Jahr dies und das ändern? Und was machst du da gerade..?“

Also: gehören Sie zu den Rückfälliggewordenen? Den Gescheiterten? Zu denen, die sich selbst überfordert haben, weil sie von einem auf den anderen Tag den alten Trott über Bord werfen und für alle Zukunft ganz neue Wege gehen wollten?

Und das dann keine zwei Wochen durchgehalten haben? Die wieder einmal gemerkt haben, wie schwer das ist, im Leben was zu verändern?

Dann: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind die wahren Realisten! Und Sie sind doch irgendwie menschlicher als all diejenigen, die erst Ende April rückfällig werden, aber einem bis dahin ein schlechtes Gewissen machen. Zumindest sind Sie sympathischer! Lassen sie uns deshalb auch weiterhin realistisch bleiben:

Wir müssen das einsehen: - ich sag’s mal mit der Bibel: „Wir bringen es zwar fertig, uns das Gute vorzunehmen; aber wir sind zu schwach, es auszuführen.“ (Brief an die Römer, Kapitel 7, Vers 18) Das ist der Befund. Jedenfalls häufig. Das macht uns Menschen eben aus. Würden wir immer unserem selbst gesetzten Programm folgen können, wären wir so was wie Maschinen. Auch nicht schön, oder?

Konsequenz daraus? Nicht resignieren. Nicht verzagen. Sondern bescheiden bleiben. Wer das Rauchen aufgeben will, muss es für heute tun. Und nicht für heute und für alle Ewigkeit. „Für alle Ewigkeit“ oder „In Zukunft“ sind nämlich Formulierungen, die einen ziemlich an den eigenen Kräften zweifeln lassen können. Wo man schnell das Gefühl hat: „Schaff ich wahrscheinlich sowieso nicht“. Das gilt übrigens gleichermaßen für den Verzicht auf Zigaretten wie für den Umgang mit Menschen, die man anders behandeln möchte. Heute fallen die Entscheidungen.

Den fiesen Arbeitskollegen für den Rest der Berufstätigkeit netter behandeln zu wollen – wer kann das schon schaffen? Aber heute mal ein bisschen freundlicher – das könnte doch klappen? Nicht? Na dann vielleicht nur ein bisschen weniger unfreundlich? Oder geduldiger, wenn’s um seine Schwächen und Fehler geht.

Ich glaube: wir dürfen uns nicht dauernd überfordern. Vor allen Dingen nicht mit zu hohen Selbstansprüchen. Unser Leben ist schon anspruchsvoll genug. Verlangt uns oft mehr als zuviel ab. Da brauchen wir uns die Messlatte nicht selbst noch höher zu legen. Das erhöht nur den Frust, wenn wir dann drunter durchspringen. Nüchterne Ziele verfolgen. Sich auf das Hier und Heute konzentrieren. Schwächen realistisch sehen. Und Stärken ausspielen.

„Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage“, sagt die Bibel. (Matthäus – Evangelium, Kapitel 6, Vers 34) Also: jeder Tag fordert genug von uns. Lassen wir das mit den Vorsätzen für morgen und für alle Zukunft und Ewigkeit. Verändern wir uns heute nach Kräften. Verändern wir unsere Einstellung zu uns selbst und zum Leben. Heute. So wird 2009 sicher ein ganz gutes Jahr.

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