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Arbeit- und Menschenwürde
O-Ton 1: Ja, meine Mutter arbeitet halbtags. Und arbeitet dann in der Woche (...) 50 Stunden. Das ist ... also heftig.
Autor: Anna ist 18 und Schülerin an einem Kölner Berufskolleg. Annas Mutter ist alleinerziehend. Eine Arzthelferin über 50. Seit vielen Jahren der Dreh- und Angelpunkt in einer hautärztlichen Praxis. Anna erzählt vom Arbeitsalltag ihrer Mutter:
O-Ton: Sie ist immer die Erste, die in der Praxis ist und alles vorbereitet. Und die Letzte, die nach Hause geht. Das heißt also, sie macht wirklich alles alleine.
Autor: Eine volle Stelle kann Annas Mutter in der Praxis nicht bekommen. Woanders findet sie mit über 50 Jahren auch keine Arbeit mehr. Und so arbeitet sie bis zur Erschöpfung. Dankbar, überhaupt Arbeit zu haben. Anna erlebt täglich hautnah, was die Arbeit mit ihrer Mutter macht:
O-Ton: Sobald sie nach Hause kommt, hat sie meistens was zu Essen gekauft, halt so Fastfood, bringt es mit. (...) Dann krieg ich halt nur noch mit, dass sie entweder fernsehen guckt oder am Computer sitzt. Ab und zu kommt sie mal rein, um zu gucken, was ich mache. Also so viel Zeit hab ich nicht von meiner Mutter. Weil sie halt (leise) sehr viel Ruhe braucht.
Autor: Anna ist zwiegespalten. Sie wünscht sich mehr Kontakt mit ihrer Mutter. Aber sie hat lernen müssen, dass ihre Mutter durch die Arbeit oft völlig ausgelaugt wird. Für Anna oft ein echter Gewissenskonflikt:
O-Ton: Ich kann zwar noch zu ihr hingehen, wenn irgendwas Wichtiges ist, dann versucht sie mir zu helfen. Aber dann hat man auch selber ein schlechtes Gewissen, irgendwie. (...). Man möchte ja auch, dass die Mutter dann sich erholt. Wenn man aber was alleine nicht hinkriegt, dann hat man doch irgendwie nen schlechtes Gewissen so: Jetzt muss ich doch die Mama fragen.
Autor: Das ganze Zusammenleben von Mutter und Tochter scheint durch die Arbeitsbedingungen der Mutter diktiert zu werden:
O-Ton : Ich fühle mich als Belastung für meine Mutter, da ich jetzt auch noch auf ne neue Schule gehe, wos halt auch nicht gerade billig ist. (...) Und als Gegenleistung würde ich sie dann halt eher in Ruhe lassen, und lieber ausruhen lassen. Weil dadurch, dass meine Mutter ja halt so viel arbeitet, verstehen wir uns auch nicht mehr so gut. Und da gibts halt schon jeden Tag irgendwie Stress.
Autor: Arbeit ist nach christlichem Verständnis immer ein Zeichen der Würde des Menschen. Ein Zeichen seiner Achtung und Geltung. Ganz gleich, ob es dabei um Lohnarbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit geht. Ganz gleich, ob jemand halbtags oder voll arbeitet: Dass Menschen etwas schaffen und leisten können, dass sie für ihre Arbeit Anerkennung finden können, das ist Teil ihrer Würde. Andererseits kann Arbeit auch ein Angriff auf die Würde von Menschen sein. Wenn die Arbeit nicht mehr für den Menschen, sondern der Mensch nur noch für die Arbeit da ist. Wenn Menschen ausgebeutet werden, weil sie abhängig beschäftigt sind. Wenn Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können; anscheinend für den Arbeitsmarkt zu alt sind. Wenn sie deshalb hinnehmen müssen, was ihnen geboten wird, weil es an Alternativen mangelt. So wie bei Annas Mutter - Arbeit schenkt Würde, aber kann sie auch gefährden.
Anna jedenfalls träumt oft von würdigeren Arbeits- und Lebensbedingungen für ihre Mutter und für sich. Von Arbeit, die dem Menschen dient und nicht umgekehrt.
O-Ton: Dann würde meine Mutter auch viel früher nach Hause kommen und ja dann hätten wir auch mehr Zeit wieder. Dann könnten wir auch mal zusammen essen. Auch mal halt shoppen gehen. Ja halt, dass wir mehr unternehmen, uns mehr halt verstehen können.
Arbeit- und Menschenwürde
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