Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.01.09, Pfarrer Martin Vogt

Verändern heißt nicht retten

Nächsten Dienstag kommt er: der große Wechsel im Weißen Haus. Die große Veränderung. „Change“ war das Schlagwort, mit dem Barak Obama

den US-amerikanischen Wahlkampf angegangen ist. Und diese Strategie hat funktioniert. Die Mehrheit der Amerikaner will, dass sich etwas verändert. In ihrem Land und in der ganzen Welt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Monate hat diesen Wunsch noch verstärkt. Und so wurde es Obamas Gegenkandidaten zum Verhängnis, dass er eher für Erfahrung als für Veränderung stand.

Der neue Präsident dagegen sprach im Wahlkampf nicht nur von Veränderung, er personifiziert sie geradezu. Als erster Farbiger im Weißen Haus. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Barak Obama. Im In- und Ausland. Er hat sie selbst hoch geschraubt. Und so erhoffen sich viele Menschen nun, dass die amerikanischen Soldaten aus dem Irak und aus Afghanistan abgezogen werden. Im Ausland, aber auch in den USA selbst gehen viele davon aus, dass er eine Kehrtwende in der amerikanischen Umwelt- und Energiepolitik vollzieht. Außerdem sind viele soziale Probleme zu lösen, das Gefangenenlager Guantanamo Bay soll geschlossen werden, und schließlich muss die beginnende Rezession aufgefangen werden.

Ohne in übertriebenen Pessimismus verfallen zu wollen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Barak Obama das alles so ohne Weiteres schaffen wird. Schon gar nicht in kurzer Zeit. Er ist schließlich kein Übermensch und auch nicht der Messias, der von Gott gesandt ist, um die Welt zu retten. Obama wird die Welt nicht retten oder alles gut und schön machen. Vielmehr werden ihm zweifellos Fehler unterlaufen, er wird sich manchmal ungeschickt verhalten oder falsch entscheiden. Und er wird sich vermutlich auch nicht immer durchsetzen können gegen starke Lobbyisten oder politische Gegner.

Das wird zu Enttäuschungen führen bei den Menschen, die ihn gewählt haben und die ihre Hoffnungen auf ihn setzen. Um diesen Enttäuschungen etwas vorzubeugen, ist es gut, sich schon jetzt - vor dem Amtsantritt! - klar zu machen, dass Barak Obama zwar in eine besondere Machtposition hineinkommt. Aber trotzdem ein ganz normaler Mensch bleibt wie Sie und ich. Ein Mensch, der schlafen und essen muss, zur Toilette geht und sich die Zähne putzt.

Wer sich das vor Augen hält, dem ist klar, dass wir vom neuen amerikanischen Präsidenten keine Wunder erwarten dürfen. Wenn es gut läuft, wird Barak Obama tatsächlich die USA positiv verändern. Und diese Veränderung wird auch Auswirkungen auf den Rest der Welt haben. Mehr aber kann man nicht von ihm verlangen. Mehr verlangt er hoffentlich auch selbst nicht von sich.

Die Welt zum Guten zu verändern ist im Übrigen nicht allein die Aufgabe eines Einzelnen. Dazu sind alle Menschen aufgerufen. Je mehr Macht ein Mensch hat, desto mehr kann und soll er für positive Veränderungen sorgen. Daran wird seine Tätigkeit gemessen. Aber die Welt zu retten, das ist keine Aufgabe für einen Menschen. Das können wir ruhig Gott überlassen.

Audiobeitrag Verändern heißt nicht retten


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