Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.01.09, Christiane Birgden

Fünf Jahre

Fünf Jahre etwa leben wir länger als ein Mensch, der in Deutschland zu den unteren Einkommensschichten zählt. Das sagen Statistiken.

Die haben einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Einkommen, sozialer Herkunft und Lebenserwartung hergestellt. Je ärmer jemand in Deutschland ist, desto statistisch wahrscheinlicher ist sein früheres Ableben.

Fünf Jahre, das sind 260 Wochen, 1825  Tage. Was mache ich mit dieser Zeit?

Am redlichsten wäre es wohl, sie zu verschenken, zurückzugeben. Denn es ist ja reiner Zufall, dass ich hier geboren bin und nicht woanders.

Fünf Jahre, mit denen ich etwas machen kann für andere. Fünf Jahre in denen ich mal nicht fragen muss: Was nützt mir das, sondern: Was nützt das dem anderen?

Nun ist es unrealistisch, grad mal fünf Jahre rauszugehen, um in irgendeinem Sozialprojekt mitzumachen. Aber sich am eigenen Ort zu engagieren, dass kann jeder. Das muss ja gar nichts Großes sein: Mit Migrantenkindern Hausaufgaben machen oder der Freundin mal einen Nachmittag das Kind hüten, damit die mal was für sich machen kann. Möglichkeiten gibt’s echt viele.

Wichtig vielleicht, dass ich diese 5 Jahre nicht ans Ende meines Lebens lege, wo mich vielleicht eh keiner mehr haben will, sondern mittendrin. Also schon jetzt damit anfange. Aus Dankbarkeit für 1825 Tage Leben.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Fünf Jahre


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