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Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Kraft Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde hier in der Kirche und an den Lautsprechern, Was dieses Jahr, das neue Jahr uns bringen mag: Viel gute Zeit hält Gott bereit - so lautet ein neuer Text zu dem kleinen Lied Das wünsch ich sehr, dass immer einer bei mir wär', der lacht und spricht: Fürchte dich nicht!
Was hält das neue Jahr für uns bereit? Wie füllen wir die viele gute Zeit, die Gott uns schenkt?
Wir haben in diesem Gottesdienst schon Eckpunkte unseres Denkens und Glaubens für das neue Jahr gesetzt: Mit dem Eingangspsalm haben wir das Staunen nachvollzogen: Was ist der Mensch, dass du, Gott, seiner gedenkst. Es ist großartig: Gott hat mich einzelnen Menschen im Blick, Gott achtet auf mich, Gott achtet mich. Unbegreiflich ist mir diese unmögliche Möglichkeit Gottes, jede und jeden zu beachten. Doch ich darf mit meinen wirren Gedanken und meinem verworrenen Leben zu ihm kommen; Gott nimmt mich in seiner unerschöpflichen Gnade an. Wir haben dies im Kyrie-Gebet ausgesprochen und im Gesang der Kantorei mitgespürt: Auch am Anfang dieses neuen Jahres weiß ich, dass mein Leben nicht völlig neu anfängt; ich bringe Belastungen und gottwidriges Verhalten, Verstrickungen und Versagen mit in dieses Jahr. Aber ich vertraue darauf, dass alle meine Schuld in Gottes Barmherzigkeit aufgehoben und überwunden ist. Gott, schenk uns dein Mitgefühl ... nimm uns das Schuldgefühl ... schenk uns Geborgenheit.
Mit diesen Worten aus der Messe des Friedens, formuliert von Veronika Krayer und komponiert von Reimund Hess, hörten wir die Kantorei. So kann ich in Freiheit das neue Jahr beginnen in der Freiheit des Christenmenschen, der sich mit der Gnade Gottes seinen Mitmenschen in Familie, Freundschaft und Bekanntschaft zuwendet und seinen Beitrag für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt leistet. Gloria in excelsis Deo Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens! Durch dich lass uns Frieden finden, wo Hass unsre Herzen entstellt sang die Kantorei.
Die Möglichkeit des Unmöglichen ist uns dann in der Lesung aus dem Lukas-Evangelium verdeutlicht worden: Die Verheißung der Gnade Gottes findet auch in diesem Jahr ihre Erfüllung durch die Gegenwart Jesu Christi. Im Vertrauen auf Jesus Christus, der über seinen Tod hinaus durch die Auferstehung lebendig bei uns ist, können wir Leben gestalten und zum Leben helfen: gerade den Armen an Leib und Seele und Gütern und Gaben gilt die gute Botschaft der Freude über Gott. Wer arm ist, ist Ebenbild Gottes und wird im Auftrag Gottes von uns Mitmenschen geschützt und getragen. Wer gefangen ist in Sucht und Verzweiflung, ist Ebenbild Gottes und wird im Auftrag Gottes von uns Mitmenschen begleitet und befreit. Wer blind ist für die Schönheit der Welt und ohne Gehör für die lauten und leisen Töne der Versöhnung, ist Ebenbild Gottes und wird im Auftrag Gottes von uns Mitmenschen ermutigt und geöffnet zum Sehen und Hören der Vielfalt der Schöpfung, auf dass Gerechtigkeit und Frieden wachsen in dieser Welt.
Liebe Gemeinde, an dem Ablauf dieses Gottesdienstes bilden wir mit den üblichen Teilen der Liturgie die verschiedenen Dimensionen des Glaubens und Hoffens für das neue Jahr ab: Von der Klage ob des eigenen Versagens über die Vergewisserung der gnädigen Zuwendung Gottes hin zu dem bittenden Gebet für uns und andere Menschen tasten wir uns heran an Gottes Barmherzigkeit und Liebe und möchten diese in die ganze Welt eindringen und einsickern lassen. Das sind tragfähige Fundamente für die Gestaltung des Lebens im neuen Jahr.
Wir haben auch im vergangenen Jahr Machtgier und Sucht nach immer mehr Geld und Verdrängung von Konkurrenten nicht beseitigen können. Wir haben die Hoffnung, dass durch die Hilfe Gottes Versöhnung und Miteinander möglich werden. Die Jahreslosung 2009 hält diese Hoffnung wach:
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Mein Kollege Jörg Uwe Pehle wird sich nach der folgenden Musik der Jahreslosung in besonderer Weise zuwenden.
Musik - Improvisation
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott.
Das ist sie also, die Jahreslosung für das neue Jahr, die Jahreslosung für 2009. Sie steht im 18. Kapitel des Lukasevangeliums in Vers 27. Seit 1934 gibt die ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen jedes Jahr eine neue Jahreslosung heraus. Sie ist das biblische Jahresmotto, das Geleitwort für evangelische und katholische Christen durch das Jahr. Jeder Tag des Jahres soll unter diesem biblischen Wort stehen. Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott.
Wissen sie, woran ich gedacht habe, als ich die Jahreslosung für dieses Jahr zum ersten Mal gehört habe? Es ist ganz und gar nicht biblisch: Nichts ist unmöglich - Toyota. Dieser Werbespruch fiel mir spontan ein. Ein cooler Spruch, kurz, prägnant, eingängig, gut zu merken. Ein Slogan, der viel verspricht - und ich bin sicher, dass der japanische Autohersteller bei ordentlicher Barzahlung auch alles, was das Auto betrifft, möglich machen wird.
Auch unsere Jahreslosung hat etwas von einem Werbeslogan. Ähnlich wie die Auto-Werbung kann man sich dieses Wort Jesu gut merken. Es ist markant, mit einer kurzen und klaren Botschaft. Aber, während es in der Werbung darum geht, eine Leistung zu bekommen, wenn man dafür zahlt, sagt die Jahreslosung davon - Gott sei dank - nichts. Also kein wenn - dann. Kein: Wenn du zahlst, dann bekommst du, kein: Wenn du tust, dann mache ich.
Nein, liebe Gemeinde, dieses Jesus - Wort ist Evangelium pur. Diese Jahreslosung postuliert Gottes Hilfe ohne wenn und aber. Sie ist eine Zusage, ein Versprechen, eine Aufmunterung, ein Mut-Mach-Wort für die 365 Tage, die vor uns liegen. Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott.
Und mal ganz ehrlich, was kann es Besseres geben, als eine solche Zusage zu Beginn eines neuen Jahres. Mir jedenfalls macht dieses Wort Jesu Mut, mich auf das neue Jahr einzulassen - und zwar mit großer Zuversicht und Freude. Ich bin sicher, viele haben sich wieder eine Menge guter Vorsätze vorgenommen, wollen kleine und große Dinge und Gewohnheiten im neuen Jahr verändern:
Mit dem Rauchen aufhören, weniger trinken, gesünder leben, mehr Sport treiben, weniger fernsehen, mehr Zeit mit den Kindern, der Familie, mit Freunden verbringen.
Nur ein paar Beispiele - die Liste der guten Vorsätze ist lang und vielfältig. Und viele haben sicher ganz konkrete Pläne für das neue Jahr. Vorhaben, die wir in diesem Jahr erledigen, erreichen möchten, sei es im beruflichen oder auch im privaten Bereich. Das neue Jahr soll anders, vielleicht besser, ausgefüllter, erfolgreicher, glücklicher werden als das Vergangene.
Ich finde es toll, wenn man sich für das neue Jahr etwas vornimmt, plant, wenn man Träume, Wünsche und Ideen hat, wenn man versucht, aus dem alten Trott auszubrechen und Neues zu wagen.
Ich weiß aber auch, und das nicht nur aus eigener Erfahrung, dass neben allen Träumen und Erwartungen für das neue Jahr die Realität steht, die viele unserer Vorhaben und Pläne ausbremst, zu nichte zu machen scheint.
Und ganz schnell folgt der Euphorie der Pläne und Vorsätze zum Jahreswechsel der nüchterne Alltag, der uns auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Doch: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott. Diese Jahreslosung, liebe Gemeinde, ist für mich die Einladung, die Aufforderung, es doch wenigstens zu versuchen.
Eben nicht alles beim Alten zu lassen, das gewohnte Leben weiter zu führen, vielleicht sogar den alten Trott zu ertragen. Diese Jahreslosung macht uns Mut zu Veränderung, Mut zu neuen Aufbrüchen, Mut, Neues zuzulassen. Nicht aus eigener Kraft, aber im Vertrauen auf Gott.
Mit ihm an unserer Seite kann das Unmögliche möglich werden, kann das Neue Jahr wirklich Neues bringen. Ich finde diese Jahreslosung unglaublich entlastend und befreiend, denn sie nimmt uns so viel Druck, den wir uns immer selber machen. Alles müssen wir schaffen, allen Anforderungen müssen und wollen wir gerecht werden, alles müssen wir erreichen, alles muss klappen - und wie oft merken wir, dass die Kraft nicht reicht, uns die Luft ausgeht, wir kapitulieren, manchmal auch verzweifeln.
Nehmen wir die Zusage der Jahreslosung ernst. Schrauben wir doch unsere Anforderungen an uns ein wenig zurück und legen unsere Anliegen und Vorhaben in Gottes Hände. Lassen wir uns helfen, stärken und unterstützen durch den, der an unserer Seite steht - jeden Tag, bis an der Welt Ende.
Gott traut uns zu, dass wir mit ihm an unserer Seite das Unmögliche schaffen werden. Er traut uns zu, dass Neues geschehen kann, weil das Unmögliche bei ihm möglich ist. Und ganz ehrlich: Im Rückblick auf die Jahre, die wir gelebt, erlebt haben, wissen wir auch, dass das geht: Ich denke z.B. nur an den Fall der Mauer 1989, die Wiedervereinigung Deutschlands - da ist das eigentlich Unmögliche möglich geworden. Und wie viele Situationen in unserem Leben gab es, in denen wir gesagt haben: Das kann ich nicht, das schaffe ich nie, dazu fehlt mir die Kraft.
In Situationen von Krankheit, beim Tod eines Menschen, der uns sehr nahe stand, bei einer Trennung, vielleicht auch beim Auszug der Kinder aus dem Elternhaus, bei anderen großen Veränderungen in unserem Leben. Und dann war sie doch da, die Kraft, der Mut. Die Kraft, das Geschehene zu akzeptieren und der Mut wieder nach vorne zu blicken, neue, andere Chancen und Möglichkeiten zu entdecken.
Gott hat das Unmögliche möglich gemacht. Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden und leben. Dieses Unmögliche ist der Segen Gottes. Dieser Segen Gottes soll uns durch das Jahr geleiten. Vertrauen wir auf Gott und gestalten in diesem Vertrauen das Jahr 2009.
Erwarten wir in den 365 Tagen, die vor uns liegen alles von Gott. Nehmen wir jeden neuen Tag als sein Geschenk. Sein Geschenk, das viele kleine und große Wunder und viele Überraschungen für uns bereit hält. Wenn wir dafür offen sind, kann das Unmögliche möglich werden und die Jahreslosung wird für uns zur Verheißung: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott. Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Der nächste Evangelische Hörfunkgottesdienst aus Nordrhein-Westfalen, wird am 22.02.2009 von 10 Uhr bis 11 Uhr auf WDR 5, aus der Dreifaltigkeitskirche in Gelsenkirchen übertragen. Die Predigt hält der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß.

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