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Der unter uns wohnt
In der Nachkriegszeit gab es in vielen Häusern bewohnte Souterrain-Wohnungen. Jan wohnte mit seinen Eltern weiter oben. Und manchmal wurde er in den Keller geschickt,
Marmelade oder Kartoffeln zu holen. Aber der Keller war finster und unheimlich, weil Jan nicht recht an die Lichtschalter kam. Da begegnet ihm eines Tages da unten Herr Georgi von souterrain. Der nahm ihn an die Hand und zeigte ihm die Schalter und das Licht für den Keller. Stolz wie Oskar und mutig wie ein Held stieg er von da an in die Dunkelheiten des Kellers hinab. Und dann kam Weihnachten im Kindergottesdienst wurde unser Pre-digttext gelesen und Jan sprang auf: Ich kenne den, der unter uns wohnte. Er kannte den Herrn Georgi. Ich kenne den, der unter uns wohnte und der uns die Angst vor der Finsternis nimmt, der Licht in die Dunkelheiten des Lebens bringt, der Mut macht, in den Keller zu gehen.
Kennen Sie den, der unter uns wohnte? Kennen Sie ihn, der Mut macht, die fins-teren Räume des Lebens zu betreten, der Licht in der Finsternis bringt und der alle Menschen erleuchtet? Es wäre doch töricht, ihn nicht aufzunehmen und ein-zulassen, der uns zu Gottes Kindern gemacht hat?
Vielen Menschen geht es wie dem Jan. Viele trauen sich nicht in den Keller Tabus werden nicht angerührt und die lange einander Anschweigenden finden keine Worte für die eingetretene Dunkelheit in ihrer Beziehung. Wie gut, wenn dann einer unter uns wohnt, der mit uns in den Keller steigt und uns hilft, Licht zu machen zum Zurechtfinden. Manchmal sind es Engel an Weihnachten ist es Gott selber, der zu uns kommt und unter uns wohnen will.
Und wie wäre das, wenn diese Möglichkeit sich noch einmal neu heute erschlie-ßen würde? Würde ich geblendet beiseite gehen, weglaufen, mir die Augen zu-halten? Oder hätte ich Lust hinzuschauen, wo der Glanz entsteht, wo Licht wird, wo die Finsternis weicht.
In den Liedern der Weihnachtszeit wird das Licht freudig besungen. Da höre ich geradezu das Licht:
Choral Dein Glanz all Finsternis verzehrt
- Weihnachtsoratorium
Predigt 2. Teil
Bleiben wir noch einen Moment bei dem, der unter uns wohnte.
Wenn in der Nachbarschaft oder im eigenen Haus neue Leute einziehen, dann wird es spannend. Wer zieht da ein? Er kommt in sein Eigentum aha, nicht irgendein Mieter kommt da an, der Eigentümer selber zieht ein. Aber sind das nicht bedrückende Begleitumstände? Ein Stall, eine Krippe jedenfalls bei Lu-kas, immerhin bei Matthäus sind es wenigstens bedeutende Besucher, die ihn begrüßen kommen. Man scheint ihn zu kennen. Bei Johannes ist es das Licht, das in die Finsternis kommt. Ein merkwürdiger Eigentümer, der in sein Eigenes kommt und gar nicht willkommen ist. Ein Kind, wie jedes andere Kind und doch mit der Macht, uns Erwachsene wieder zu Kindern zu machen, zu Gottes Kindern, von Gott geboren. Ob ich ihm das abnehmen sollte, so gleich an Weih-nachten oder brauche ich dazu erst noch mehr Erfahrung mit ihm? Ja, die wer-den wir bekommen, durch sein ganzes Leben unter uns. Immerhin soll der -- Gott selber sein, der da unter uns zeltet. Der so nah uns rückt, dass ich kaum Abstand halten können, nicht neutral bleiben kann, sondern aufnehmen oder ab-lehnen werde. Er wohnt nämlich gar nicht nebenan, also auf seinem eigenen Grund und Boden er zeltet bei mir, auf dem Grund, den ich bisher für meinen hielt. Ich bin vorsichtig mit solchem Ansinnen eines mir noch so Fremden. Noch ausgesprochen fremd ist mir der Anfang, der da kraftvoll einzieht. Diesem An-fang wohnt erst gar kein Zauber inne, der uns beschützt und hilft zu leben. Die-ser Anfang kommt als bloße These, als Wort auf mich zu: wer weiß, ob er hier überhaupt Eigentumsansprüche hat. Bisher jedenfalls hatten wir das Sagen und wir haben uns gegenseitig deutlich gesagt, wo es langgeht. Jetzt kommt ein Wort, das selber das Leben sein will. Ich schaue mir den an, der da kommt und werde hineingezogen in den Bann seiner Umstände ich sehe die Krippe und ich weiß um das Kreuz und spüre, dass da ein Zusammenhang aufleuchtet vom Anfang der Welt über den Anfang dieser sonderbaren Nähe bis zur fernen Höhe des Kreuzes, das er dann eines Tages auf sich nehmen wird. Und ich kann nur hineinstaunen in seine Krippe.
Choral Ich steh an deiner Krippen hier
WO59
Predigt 3. Teil
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich beteilige mich gerne an der Fleischwer-dung des Wortes. Sonntags, wenn ich zu predigen habe, die bloße Wortwerdung der Wörter zu überwinden und Lebendiges Wort zu erleben in der eigenen Pre-digtarbeit.
Lebendiges Wort ist aber Jesus Christus selber, sagt Karl Barth. Geschriebenes Wort ist die Bibel und verkündigtes Wort dann die Predigt. Hier ist sauber zu unterscheiden, damit uns da nichts durcheinender gerät. Nicht das Wort ward Predigt, steht da, es wurde Fleisch. Auch nicht das Wort ward Buchstabe, steht da, deshalb glauben wir auch nicht an die Bibel, sondern an Gott selber. Nicht einmal das Wort ward Gemeinde, also Leib Christi das ist nicht ge-sagt. Nein Fleisch, Körper, Mensch wird das Wort. Theologie kommt erst nach Weihnachten und kann es nicht fassen. Zuerst kommt Gott der das Wort ist.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hats nicht begriffen. Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.
ER war in der Welt und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkann-te ihn nicht. ER kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu heißen, denen, die an ihn glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herr-lichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Der Johannesprolog versetzt uns an den gnädigen Anfang. In diesen erhabenen und hochkonzentrierten Worten vom Wort voller Gnade und Wahrheit steckt Leben. Wir tauchen von neuem ein in die fröhliche, selige und gnadenbringende Weihnachtszeit. Das Glück des Anfangs.
Üblicherweise betrügen wir uns um diese beglückende Erfahrung, wo wir in die alte Trickkiste greifen, weil uns nichts Neues einfallen will zum jährlich wieder-kehrenden Weihnachtsfest. Ist es nicht schön, wenn Gemeinden wie die hiesige Mariengemeinde sich einfallen lassen, die Zeit auszukosten und gestalten mit täglichen Krippenandachten an den Tagen nach den Festtagen, statt sich er-schöpft zurückzulegen? Weil die Begegnung mit dem Wort voll Gnade und Wahrheit die Lebensgeister des Glaubens weckt und belebt.
Und dieses Erwachen brauchen wir doch so dringend damit die großen Leer-stellen des Glaubens Füllung erfahren,
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Das Wort vom Anfang will beleben und erfüllen. Anfänge sind dran, nicht Jah-resabschlüsse. Aufbrüche mit Hirten, Weisen und Maria sind geboten. Die einzigartige Anfangsgeschichte des Johannesevangeliums öffnet diese Per-spektive auf den ersten Blick mit einem Text für pensionierte Altphilologen aber dann öffnet er sich für uns alle mitten im Leben. Ein wunderbarer Text in lyrischer Sprache und doch so voller Spannung. Der Text wird Fleisch lebens-nah zwischen Licht und Finsternis, zwischen Aufnahme und Ablehnung, zwi-schen Blut und Gott. Das ist der Anfang: so anfänglich geht es um unser Leben und seine Spannungen, in die hinein Gnade und Wahrheit einziehen, Wohnung nehmen. Gott schlägt seine Zelte mitten im Leben auf und jetzt ist er bei uns.
Bischof Wolfgang Huber hat davon erzählt, dass er in schlafloser Nacht manch-mal ganz bekannte Bibeltexte rückwärts aufgesagt habe. Auch unser Wort heute Morgen ist dafür gut geeignet dann wird ein Lobgesang daraus! Wahrheit und Gnade voller Vater Sohn der Herrlichkeit unter uns wohnte Fleisch das Wort.
Amen.
Gebet: Komm o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein o Herr, sei ewig Preis und Ehr.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Her-zen bei Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
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